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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1932-01-01 · 49.1932 · page 51

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
49.1932
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 51)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273643--2458-2276262
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wieder verlebendigt, immer neu geformt wurde und ihre Renaissance erfuhr. Darin hat das Judentum seine Entwicklung, seine Geschichte, seine Tradition, seine historische Einheit. Darin hat es darum auch sein Prinzip, seine Norm, den Maßstab für das, was sein Eigenes und Eigentümliches ist, für das, was wesentlich ihm zugehört. Die methodische Besinnung auf dieses Problem, in der sich eine Zeit so über ihr Judentum Rechenschaft gibt, in der sie für ihre Verbindung mit dem Grundproblem und seinen Gestaltungen ihren eigenen Ausdruck sucht, das ist daher die Theologie im Judentum. Und damit ist diese Theologie zugleich die jeweilige Besinnung auf die Geschichte und die Tradition des Judentums. Denn das Ganze der Lehre ist hier erst in jener Bewegung der Lehre und damit in der Gesamtheit der Lehrer, in ihrer Reihe-bis zum Letzten, in dieser Tradition bis zur Gegenwart immer gegeben. Und nicht um eine bloße Linie des Auf und Ab, um ein Kommen und Gehen oder um ein Jeweils der Verengung und Erweiterung, des Fortschritts und Rückschritts, sondern um die Frage dieser immer neuen Verlebendigung des Grundgedankens, um diese innere geschichtliche Einheit handelt es sich dabei. In diesem Sinne dürfte gesagt werden, daß die inhaltliche Erstrcckung des Judentums zugleich seine zeitliche bedeutet, daß die Lehre de.« Judentums zugleich seine Geschichte und seine Geschichte zugk-ich seine Lehre sei. Allein durch das Bewußtsein hiervon kann ein Historismus und ebenso eine Gcschichtslosigkeit im Judentum überwunden werden. Für die christliche Theologie ist es charakteristisch, daß sie zu einem Dogma hinführt oder hinzielt; denn sie ist, in der Tatsache oder in der Absicht, Theologie der Kirche. Für die jüdische Theologie ist es demgegenüber kennzeichnend, daß sie Theologie der Lehrer ist. Jedem Lehrer kommt zwar an sich die Lehrbefugnis, das Recht, die Tradition zu repräsentieren, dieses Recht auf Theologie, zu. Aber erst an der sicheren Verbindung mit dem Grundproblem des Judentums wird der Lehrer legitimiert, erst die Verpersönlichung oder wenigstens Nuancierung desselben, erst dieses damit aufgewiesene Faktum der religiösen, jüdischen Individualitat gibt den Platz in der Tradition, gewählt gewissermaßen das Erbfolgerecht in der Sukzession der Lehrer. Darin gewinnt der Begriff der Tradition im Judentum seine ganz« Bedeutung. Das vorige Jahrhundert war geneigt, unter ihr, bejahend oder ablehnend, nur die Kontinuität der Verfassungsform zu verstehen, die sich die Gemeinde des Judentums und in gewissem Sinne das Leben des Juden seit dem Ausgange des Altertums bereitet hatten. 51

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