Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 49.1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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tische Theologie gern sprach, sondern in einem durchaus individuell Restimmten. Er ist dort verwirklicht, wo von einer Einzel- oder Gosamtindividuaiitat eine Idee, eine lebendige geistige Kraft ausgeht, die nunmehr aus dem menschlichen Gesamtdenken und Gesamtleben nicht mehr fortgenommen und fortgedacht werden kann. Nicht die Geltung oder Erstreckung, das Vorhandene, das Statische ist hier entscheidend, sondern die Bedeutung, das Dynamische, das Bewegende. Dieses Problem, durch das so das Judentum mit all seiner Besonderheit und kraft ihrer universell geworden ist, dieses spezifisch-jüdische weltgeschichtliche Problem ist das vom Eintreten des Unendlichen, Ewigen, Einen, Unbedingten in das Endliche, Zeitliche, Vielfaltige, Begrenzte und von der geistigen, sittlichen Spannimg des Menschlichen, die darin gegeben ist. Alles, was das Judentum an Gedanken und <-/ C 7 Hoffnungen geschaffen hat, innerhalb seines eigentlichen Bereiches and über ihn hinaus, kommt davon her. Aller Gegensatz gegen die Antike hat darin seinen Ausdruck. Diese hatte in all der Mannigfaltigkeit der Formen, die sie geschaffen hat, ihr Kennzeichnendes und Eigentümliches in dem Begriff des „Eidos", des Vollkommenen, des Abgeschlossenen, des Fertigen, des Idealen, zu dessen Jenseits der Mensch schauend, erkennend, anbetend, beseligt aufblickt. Auch der Mysterienglaubcn, in den die Antike mehr und mehr einmündet, wollte dieses Endgültige bedeuten, und nur deshalb konnten sie beide ja eins werden und konnte dann auch die Kirche sich durch die Verbindung von beiden, von Logos und Mysterium, von „Eidos" und Sakrament gestalten. Jener universellen Idee vom Vollendeten, Fertigen steht die des Judentums gegenüber, und in der Gegenüberstellung zumal zeigt sie ihre ganze Bestimmtheit und ihr Weltgeschichtliches, diese Idee vom Eintreten des Unendlichen, des Transzendenten in das Endliche, in das Menschliche, von der Spannung, der Auseinandersetzung, die darin gegründet ist, von dem nie endenden Kampfe mit der Aufgabe, mit dem Wege, mit der Zukunft, von dieser Spannung, in der darum beides bleibt: der Abstand und die Zugehörigkeit, die Distanz und der Bund, das Anderssein und das Einssein, die Kreatürlichkeit und die Freiheit, die Gnade und das Gesetz, die Offenbarung und die Prophetie, die Immanenz und die Transzendenz, die Mystik und die Ethik, die Verborgenheit und die Forderung27). Diese Idee mit ihrem Problem ist durch das ganze Judentum, in seinem gesamten Inhalt wie in seiner Erstreckung, zu verfolgen. Sie hat ihre Mannigfaltigkeit und ihre Bewegung; sie hat hier immer wieder den suchenden Menschen ergriffen, so daß sie selbst immer 50