Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 49.1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
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Judentums" zu finden? Das Wort, wenn auch in etwas anderer Fassung, ist im vergangenen Jahrhundert schon alt. Geiger nannte seine erste Zeitschrift, die von 1835 an in sechs Bänden erschien, „Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie". In einem Aufsatz üher das Bedürfnis nach einer „jüdisch-theologischen Fakultät", der den zweiten Band einleitete, sprach er in ganz allgemeinen Sätze« von der jüdischen Theologie als einer Wissenschaft, die sich den Ideen und den Lebensfragendes Judentunis zuwendet, und er gab einige Beispiele für das, was sie enthalten sollte. Im vierten Bande wollte dann Joseph Dernburg mit unverkennbarer Anlehnung an Schleiermacher in einer Abhandlung über „das Wesen des Judentums nach seine« allgemeinsten Grundzügen" unter einem gewissen Vorbehalt „Bausteine für ein Gebäude jüdischer Theologie" bieten20). Aber eine eigentliche Definition dessen, was diese jüdische Theologie sein soll, ist hier nirgends versucht. Sie findet sich erst, allerdings immer noch rocht unbestimmt, in den Vorlesungen der „Einleitung in das Studium der jüdischen Theologie", die Geiger 1849 in Breslau hielt; hier definiert er die Theologie, die er in eine theoretische, eine historische und eine praktische sondert, als „die Erkenntnis der religiösen Wahrheiten und des ihnen entsprechenden Lebens"21). Es scheint, daß er sie von der „Wissenschaft des Judentums", die er in seinen Vorlesungen von 1872, trotz einer von ihm ausgesprochenen Abneigung gegen „strenge Definitionen", begrifflich zu umgrenzen sucht22), durch das praktische Endziel, jene Beziehung zum Leben unterscheidet. Ähnlich ist offenbar das Eigenschaftswort „theologisch" versta«den, wenn Frankel, in seinem bekannten Werke, die Eidesleistung der Juden „in theologischer und historischer Beziehung" (1840) darstellen wollte, oder wenn das Seminar in Breslau die Bezeichnung „jüdisch-theologisch" erhielt. Es könnte sein, daß diese Auffassung durch Neander23) bestimmt ist, der die praktische Richtung der Theologie hervorzuheben pflegte, ganz abgesehen davon, daß die praktische Theologie ja immer einen Bestandteil der Gesamttheologie hatte bilden sollen. Die Frage, was Theologie des Judentums und welches danach ihr Verhältnis zur Geschichte ist, blieb hier jedenfalls unbeachtet. Sie hätte sich um so eher einstellen sollen, da das Wort „Theologie", wenn es auch seinen Platz in der griechischen Philosophie besitzt24), seine große Bedeutung erst in der christlichen Kirche erlangt hat Hier schienen sich in ihm die beiden höchsten Ideen „theos" und „logos" zusammenzufügen, und die alte klassische Auffassung ist es deshalb hier, daß die Theologie im eigentlichen, die theologia archetypos, die 48