Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 49.1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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liehe oder vermeintliche frühere Epoche damit anzuknüpfen erklärte. Eine Tradition sollte künstlich geschaffen werden. In diesen Geschichtsgedanken sprach so weniger ein Erleben der Geschichte als vielmehr ein, allerdings oft bedeutungsvolles, Erfahren des Tages und seines oft dringenden Erfordernisses. Zudem wurde die Geschichte selbst jetzt durch den unabweisbaren Kampf für das Recht des Juden in den Tag hineingestellt. Laßt es sich auch nicht verkennen, daß darin wie in jedem Kampf ums Recht und seiner geschichtlichen Kocht f er Iif * gung ein Religiöses mitschwang, so war die Geschichte doch damit politisiert, und das bedeutete, daß ihr Horizont verengt wurde. Wohl entsprach dies, vor allem in Deutschland, ganz wie der Historismus, einer allgemeinen Richtung; ein Geschlecht der Jünger Rankes hatte sich der politischen Geschichtschreibung, dieser Geschichtschreibuug mit politischer Absicht zugewandt Aber dort war doch immer etwas von dem Universalen mit seinem weiten Raum und seiner weilen Richtung geblieben, das Ranke gegeben hatte. Hier fehlte es meist; der, bewußt oder unbewußt, politisch-advokatorische Zweck lenkte den Blick auf ein nahes Programm und schränkte den Gesichtskreis ein. Dazu mangelte es sehr oft — einer, freilich der Voranstellende, Graetz, ist wohl eine Ausnahme — an dem, was Schmoller dem wahren Historiker als Kennzeichen zuschrieb, daß er „über das Verhältnis der Gottheit zur Menschengeschichte, über Ursprung und Ziel der historischen Entwicklung,.......über die letzten sittlichen und politischen Fragen eine feste Überzeugung hat"19). Es schien, als verzichtete die Geschichtschreibung, eine Antwort darauf zu geben, was der letzte Sinn, was die eigentliche Bedeutung dieser Geschichte des Judentums, dieser Geschichte des jüdischen Volkes sei, was es denn eigentlich wert mache, sich in sie zu vertiefen, sie zu schreiben. Gegen diese Geschichtsauffassung, gegen die Ratlosigkeit, die schließlich aus ihr sprach, gegen den Pessimismus, der daraus folgen wollte, mußte sich der Widerspruch erheben. Er ist unverkennbar schon in der zionistischen Geistesbewegung wirksam; neben politischsäkularen Gedanken sind in ihr von Anfang an ebenso sehr geschichlsphilosophische, theologische lebendig. Er konnte sich im Judentum unserer Tage dann mit der Gesamtstimmung vereinen, die sich gegen den Historismus und auch den Europäismus, den dieser lehrte, aufzulehnen begann. Aus alledem ist auch jenes, etwas unklare, Verlangen nach einer Theologie des Judentums hervorgekommen. Worin kann nun jener Wunsch seine Bestimmtheit gewinnen, worin ist der Inhalt und sind die Grenzen eines Begriffes „Theologie des hl