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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1932-01-01 · 49.1932 · page 43

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
49.1932
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273643--2450-2276254
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her" und der „Theologie von unten her", der von Gott her und vom Menschen her, in Martin Dibelius' Versuch, Geschichtliches und Cbergcschichtlichcs in der Religion zu scheiden1), in Tillichs Lehre vom „Kairos", der Gotteszeit, dem epochemachenden Moment, die dorn einzelnen geschichtlichen Ort absolute Bedeutung geben will5). Der ganze Gegensatz wird deutlich, wenn man gegenüber allem diesem sich Harnacks „Wesen des Christentums" vergegenwärtigt, in dem die herrschende evangelische Theologie am Ende des Jahrhunderts die Summe ihrer Arbeit gezogen zu haben schien; hier war das Wesen des Christentums am letzten Ende doch nichts anderes gewesen als eine Darstellung des Werdens und Wandeins des Evangeliums6). Es ist begreiflich, und es war ein Notwendiges, wenn sich dieser Widerstand dagegen erhob, daß das Denken insgesamt ein historisches würde, daß derart vielfach an die Stelle der Wirklichkeit der Religion die Geschichte der Religion, an den Platz des Inhalts der Bibel eine Geschichte von der Entstehung der Bibel träte7). Besonders von dem «Bedürfnis aus, maßgebende Werte festzuhalten, wurde dieser Widerspruch lebendig; denn alles das, was normative Geltung beanspruchen will, ist in Frage gestellt, wird ein Bedingtes, wenn es in eine Entwicklung, in eine Reihe von Erscheinungen eigener Norm aufgelöst wird; Evolution bedeutet immer Relativität. Vor allem von der Religion her konnte und mußte es so empfunden werden, um so mehr, als nun auch das eigentümlich Irrationale innerhalb der Geschichte vom Religiösen aus, vor allem durch Rudolf Otto, dem Verständnis nahegebracht wurde und damit der Begriff der Entwicklung und der Geschichte auch eine Veränderung erfuhr. Die „Krisis des Historismus" kennzeichnet das Denken der letzten Generation bis ins Politische, vielleicht bis ins Wirtschaftliche hinein. Der Mann, der eindringlich von dieser Krisis gesprochen hat, Ernst Troeltsch, hatte auch den Versuch unternommen, den Historismus zu „überwinden"«). Er wollte dies dadurch erreichen, daß er ihn vorerst zu seiner letzten Entschiedenheit hinleitete. Er wollte den Ausweg verbauen, den sich im Gefolge Hegels die idealistisch-evolutionistische Richtung der protestantischen Theologie bereitet hatte, die „Absolulheit" des Christentums geschichtlich zu erweisen, „auf rein historische Weise die Geltung und Bedeutung des Christentums in einem Sinne darzutun, der hinter der Selbstgewißheit der altkirchlichcn Lehre nicht zurückbleibt"9). Im Namen der Geschichte wandte sich Troeltsch gegen diese „absolute Religion", in der die andern Religionen ihre Erfüllung fänden, zu der sie als Vorstufen, als noch unvoll- 43

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