Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 49.1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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des jüdischen Volkes und insbesondere der Palastinakunde dienen"). Den Urhebern dieser Resolution schwebte die Analogie mit ahnlichen christlichen Forschungsinstituten in Jerusalem vor, ohne daß sie bedachten, daß diese Institute als Ergänzungen der heimischen Universitäten arbeiten, während das jüdische ein Bestandteil der neuen Universität werden sollte. Später wurde die Zweckbestimmung dahin abgeschwächt, daß das Institut in der Hauptsache dazu eingerichtet sei, Forscher für die Wissenschaft des Judentums zu erzielen10). In Wirklichkeit wurde es immer mehr und mehr Lehrinstitut, mit der Einrichtung der geisteswissenschaftlichen Fakultät wurden auch die Möglichkeiten einer Prüfung und Titelverleihung angefügt. Aber von seinen Anfängen her hat das Institut die "Zersplitterung der Lehrfächer beibehalten; an einem Forschungsinstitut ist die Bestallung von Spezialisten auch für kleinere Ausschnitte aus einem Gebiet berechtigt, an einem Lehrinstilut ist sie unhaltbar. Man kann nicht, um bei dorn angegriffenen Beispiel zu bleiben, für jede Epoche der Literaturgeschichte einen eigenen Lehrer berufen und kann nicht die Prüfungen auf den ganz kleinen Ausschnitt eines Faches beschränken, für den der Lehrauftrag des prüfenden Dozenten gerade gilt. Hier liegt der Kern des Übels, in der Aufteilung des Lehrstoffes, die mehr nach den vorhandenen Kräften als nach sachlichen Zusammenhangen erfolgte- und darum bis heute den Eindruck des Unzulänglichen macht. Noch ist die Universität Jerusalem im Ausbau, noch hat sie alle Möglichkeiten offen. Das Ziel ist zu erreichen, wenn es klar erkannt wird. Gerade in Jerusalem, in der jüdischen Umwelt Palästinas sind die Vorbedingungen für eine natürliche Entwicklung der jüdischen Studien, für ihre Einreihung in die Universitas literarum gegeben. Vom Skopus-Berge könnte und sollte Lehre ausgehen, die allerorten den jüdischen Studien Richtung und Wege weistl Anmerkungen ») M. Liber, Cinquante ans detudes juives (1880—1930), in Revue des Etudes Juives LXXXIX, S. 1—25. Eine Übersicht über die letzten 50 Jahre jüdischer Geschichtsforschung habe ich in der Festschrift zu Simon Dubnows siebzigstem Geburtstag, 1930, S. 7—23, veröffentlicht. 2) Revue des Etudes Juives LXXV, S. 220. Meine Definition nennt der Rezensent „un peu grandiloquente"; ich fürchte, daß in der dortigen Übersetzung ihr Sinn nicht ganz deutlich wird. ») I, New York 1919, S. 102—113, S. 253—264. liO