Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 49.1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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"2E kunst, unabhängig von der Herkunft des Autors und der Sprache, die er verwendet, und der Jude als Autor, wobei wohl zu unterscheiden ist, ob sein Werk irgendwelche Beziehungen zum Judentum verrät — sei es auch nur darin, daß er sich der hebräischen oder jiddischen Sprache bedient. Sehr in den Vordergrund getreten ist das Interesse an der „jüdischen Kunst", der bildenden Kunst und der Musik. Kunst ist sicher eine Leistung, die aus den tiefsten Tiefen der menschlichen Seele herkommt; im Werke eines jüdischen Künstlers wird daher irgendwie ein Ausdruck der jüdischen Seele zu finden sein. Die Frage aber, was am Werke eines Künstlers jüdischer Abstammung, sogar eines bewußt jüdisch schaffenden, durch die Umgebung bedingt und was tiarin spezifisch jüdisch ist, hat bisher noch keine Lösung gefunden; der jüdische Gegenstand macht den jüdischen Künstler nicht. Die Frage einer jüdischen Kunst der Gegenwart ist für die Wissenschaft noch nicht spruchreif. Aber es gibt eine ältere jüdische Kunst, <üne Kunst für den Gebrauch oder das Behagen von Juden — angefangen von der Architektur der Synagogen, ihrer innern Einrichtung und ihren „heiligen Geräten" über die künstlerisch ausgestalteten Handschriften (insbesondere Gebetbücher, Pessach-Haggadot und Mcgillot) zu den beim häuslichen Gottesdienst verwendeten Gegenständen bis zur Kunst der Grabsteine. Wie weit sie von Juden herrührt, ist nicht immer festzustellen; daß sie mit seltenen Ausnahmen ganz unter dem Einfluß der Zeit und Umwelt steht, ist erwiesen. Nachdem die Erzeugnisse dieser Kunst lange vernachlässigt, verschleudert oder vernichtet worden waren, begegnen sie neuerdings sachkundigem Verständnis und liebevoller Pflege. Nicht nur, daß der staatliche Denkmalsschutz, die öffentlichen Bibliotheken und Kunstsammlungen ihnen ihre Aufmerksamkeit zuwenden, wird heute in jüdischen Kreisen vorhandener Familicnbcsitz in Treue behütet, errichten Vereine, Gemeinden und Verbände größere oder kleinere Museen für die Erhallung jüdischer Kunstdenkmäler. Diese Sammlungen haben sich sogar zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen und in einer ersten Tagung weitgehende Pläne geschmiedet. Soweit es sich um die rein praktische Tätigkeit des Sammclns und des Betrcucns der vorhandenen Kunstgegenstände oder um die Anlegung von Inventaren bzw. die Herstellung und den Austausch von Photographien handelt, wird die Wissenschaft in dieser Bewegung eine ebensolche Förderin begrüßen wie in der Anlegung von Bibliotheken oder Archiven. Die sachliche Bedeutung braucht darum nicht überschätzt zu werden, es handelt 35