Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 49.1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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Zum Begriff „Wissenschaft des Judentums". Von Ismar Elbogcn. In der Festschrift zum fünfzigjährigen Bestehen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, 1922, behandelte icli das Thema „Ein Jahrhundert Wissenschaft des Judentums". Ks ist nicht beabsichtigt, an dieser Stelle die Übersicht über die Aufgaben und Leistungen dieser Wissenschaft fortzusetzen; es erübrigt sich auch, da erst vor ganz kurzer Zeit eine solche veröffentlicht worden ist1)- Hier soll nur der Versuch der begrifflichen Abgrenzung wieder aufgenommen und an der Hand der Arbeit des letzten Jahrzehnts überprüft werden. In meiner Abhandlung (S. 141) kam ich zu dem Ergebnis, daß wir unter „Wissenschaft des Judentums", wenn sie als selbständige Disziplin eine Daseinsberechtigung haben soll, verstehen müssen: die Wissenschaft vom lebendigen, im Strom der Entwicklung siehenden Judentum als soziologischer und geschichtlicher Einheit. Seltsam genug, hat der Versuch, dieses eigenartige Gebilde „Wissenschaft des Judentums" näher zu bestimmen, keinen rechten Widerhall gefunden. Wo überhaupt dazu Stellung genommen wurde, zog man es vor, den Begriff unentschieden zu lassen, weil „auch der Begriff Judentum keine präzise Definition zuläßt"2). Nicht lange vor meiner Abhandlung hatte Jekuliel Günzhurg in New York in einem Aufsatz der Zeitschrift Miklat3) unter dem Titel „Chokhmat Jisrael umadda' ha'iwri" (Wissenschaft des Judentums und hebräisches Wissen) die Grundfrage nach dem Wesen der Wissenschaft des Judentums eingehend erörtert. Im Anschluß an einige ihm nicht sympathische Erscheinungen dieser Wissenschaft und an die Polemik Achad Haams4) kommt er zu einer schroffen Ablehnung der Sache und der Leistung und fordert an der künftigen Universität Jerusalem, deren Grundsteinlegung damals erfolgte, eine alle Wissensgebiete umfassende Forschung in hebräischer Sprache, in der auch das Wissen vom Judentum aufgehen könnte. Es ist freilich anders gekommen, die Universität Jerusalem hat, worüber noch zu sprechen sein wird, als erste Abteilung ein „Institut für die Wissenschaft des Judentums" eröffnet und sich, ebenso wenig wie ihre Vorgänger, um eine klare Abgrenzung des Begriffs bemüht Ohne daß hier in eine Auseinandersetzung mit Günzburg eingetreten werden 33