Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 49.1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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das ganze aber dennoch davon seltsam verschieden. Ein Fall aber, wo ein prophetisches Redeslück, das so sinnlos scheint, nur eben aus dem verschütteten Ursinn seine Erklärung findet, liegt, wie ich anderswo ausführlich darlege11), in Jer. 23, 33—40 vor. Der Text dieser Stelle richtet heute seinen Fluch gegen Priester, Prophet und Volk, die für Gottes Wort die Bezeichnung massa „Ausspruch" gehrauchen. Was an diesem Wort zu stören scheint, ist nach dem Wortlaut des Textes nicht, wie man allgemein glaubt, die Nebenbedeutung ..Last" des Wortes massa, sondern vielmehr, wie genau entsprechend« Parallelstellen zeigen, die Verwechslung mit einem andern massa, das meist maschscha, in vielen Handschriften und Drucken aber auch sonst wie unser Wort Kfra geschrieben wird, und „Schuldforderung, Anspruch" bedeutet. Und von da aus spricht die Prophctcnstelle Gottes Fluch aus: Gut; ihr, die ich den Eroberern übergeben habe, seid noch immer mein Eigentum, mein Schuldanspruch (Kfran OJ-IK so LXX V. 33), den ich einfordern kann (afctt DDpX WtfllV. 36); aber ich werde dies nicht tun, sondern euch, meinen Anspruch, fahren lassen (DDrw VTO!). Wenn es aber nun so scheint, als ob der Prophet sich gegen das unschuldige Wort für Gottes „Ausspruch" wendete, weil man daraus Gottes „Anspruch" heraushören könnte, so ist, wie a. a. 0. gezeigt wird, dies nicht das Ursprüngliche. Ursprünglich wandte sich das Prophetenwort geradezu gegen das im Volke umlaufende Schlagwort, mit dem Israel sich selbst als nw H#a als Gottes „Schuldforderung" bezeichnete. Und wie die Reden Jeremias sich sonst gegen andere ähnliche Schlagworte vom Tempel als Gottes „Haus", von der Bundeslade als Zeugnis für Gottes Sicherheitspakt mit seinem Volke, von Israel als Gottes „Erbe" wenden, so verbat ein von Jeremia überlieferter Ausspruch sich auch das Schlagwort vom mn» Htf», von Gottes Schuldforderung. Ihr sollt nicht — in diesem Sinne — Ktfö. mir» sagen, sonst will ich euch, die Schuldforderung, den feindlichen Schuldnern preisgeben! Die späteren Umdichter dagegen, die in ihrer Quelle das Verbot fanden: „Ihr sollt nicht nw Xtfa sagen", mußten nur zu leicht* ihren unvokalisierten Text dahin verstehen, als wollte der Prophet das harmlose Wort für Gottes „Ausspruch" verbieten, das doch sonst oft anstandslos in der Bibel gebraucht wird, und sie empfehlen im heutigen Text dafür lieber zu sagen: „Was hat Gott geredet?" und „Was hat Gott geantwortet?" ") S. die Begründung in meinem Aufsatz in MGVVJ 1932, Auguslheft. 30