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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1932-01-01 · 49.1932 · page 29

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
49.1932
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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IRI
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liehe Einfügungen ursprünglich selbständiger Stammreihen in andere Genealogien sind im Buch der Chronik nachzuweisen. Aber auch darüber hinaus ist mit der Wandlung des ursprünglichen Sinnes in den Einheilen der biblischen Schriften zu rechnen, auch bei den Reden der Propheten, bei denen man doch bisher im wesentlichen deren eigene schriftstellerische Kundgebung zu besitzen glaubte, die wohl in der Abschrift von unberufenen Händen hie und da entstellt, aber im Grunde doch nicht neu geprägt oder neu gedichtet werden konnte. Nun habe ich jedoch an anderer Stelle10) zu zeigen versucht, daß auch die Heden der Prophetenbücher ihrer literarischen Art nach Werke verschiedener Dichter sind, die das Leben der Propheten schilderten und auf Grund der ihnen bekannten Angaben Prophclcnrcden und Prophetcnlieder dichteten, die als Dichtungen das Geschick der anderen literarischen Gattungen der Bibel teilen. Daher kommt es, daß dieselben oder ähnliche Rcdedich hingen zuweilen zur Ausschmückung des Buches mehrerer Propheten verwendet wurden. Und so verstehen wir es auch, daß Reden eines Propheten umgedichtet und erweitert bei anderen Propheten auftauchen. Und wie z. B. der Verfasser von Ps. 119 das einfache Gedicht Ps. 19, 8—11, worin das Gesetz unter sechs — ursprünglich acht — Namen gepriesen wird, zu einem umfangreichen Gebilde ausbaut, das auf jeden dieser acht Namen 22 Verse in achtfach alphabetischer Reihe bringt, so macht es jener Autor der Prophetenreden Ez. 22, 23—31, der das Zef. 3, 1—4 überlieferte Stück über die Sünden der vier vornehmsten Klassen Jerusalems weiter ausgestaltet, indem er die Sünden spezifiziert und etwa statt „Ihre Priester entweihten das Heilige, vergewaltigten die Weisung" (Zef. 3, 4) sagt: „Ihre Priester vergewaltigten meine Weisung und entweihten nieine Heiligtümer, Heilig und Unheilig schieden sie nicht, ob Unrein oder Rein taten sie nicht kund, und von meinen Sabbaten bargen sie ihren Blick, daß ich entweiht wurde unter ihnen." (Ez. 22, 26.) Schon bei diesem Abschnitt kann man zweifeln, ob der Umdichter seine Vorlage überall in ihrem Sinne ausgedeutet hat. Wenn er etwa die Anrede bei Zefania: „Weh dir, Beschmutzte und Befleckte, ge- - walttatigc Stadt" durch „Du Land, das nicht gereinigt ist, nicht beregnet am Zornestag" ersetzt, so ist er sicherlich durch die GrundV stclle angeregt, sein Grundgedanke als aus ihr entstanden zu erklären, w) Das literarische Problem der Bibel, ZDMG 1931, S. 287-324. 29

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