Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 49.1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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Rede sein wird, lag noch einem der Sammler, auf die unsere Textgestalt zurückgeht, ganz oder fragmentarisch in mehreren Fassungen vor, woraus z. B. der Vers 38, 2 42, 3 a „Wer verbirgt, verdunkelt da Ratschluß (mit Worten) ohne Verstand" doppelt wiedergegeben ist, einmal mit dem Verbum cVira, das anderemal mit dem bcdculungsvcrwandten Das Ursprüngliche dürfte jedoch weder dies noch jenes, sondern. atfnn gewesen sein: „Wer trachtet2) da Ratschluß mit Worten ohne Verstand?" Dies war einmal in "?Jtfno „verdunkelt" verschrieben oder verlesen worden, und dieses ihm schwierig scheinende Wort dürfte ein Bearbeiter durch das immerhin leichter mögliche Synonym O^sm „verbirgt, verheimlicht" ersetzt haben. Aber über derlei Kleinigkeiten hinaus und über die Veränderungen in Anlage und Sinn der Berichte, die sich aus der redaktionellen Verbindung verschiedener Quellen, durch Kürzungen und erklärende Zusatzo ergeben, haben lange vor diesen letzten Händen, die dem Text seine heutige Form gaben, auch die eigentlichen Erzähler und Dichter, die Generation nach Generation die alten Stoffe in neue Formen prägten, auch ihren Inhalt wesentlich verändert und umgebogen. Die alten Sagen der Bibel, die sich an Orte oder Personen knüpfen, sind zumeist ätiologischer Natur, entstanden aus der Spekulation über die Ursache von Namen und Dingen. Aber einmal Erzählung geworden, wird die Sage, wie besonders eingehend an den Beispielen der Schöpfungs- und Vatersagen Gunkel und Greßmann gezeigt haben, autonom; und unabhängig von der Ursache, die ihre Entstehung veranlaßt hat, geht sie ewig wechselnd von Mund zu Mund, ihrem Ursinn sich mehr und mehr entfremdend. Wenn der Midrasch2) in der Deutung der Sage vom Kampf Israels mit Amalek zu Rcphidim (Ex. 17) den verborgenen Geheimsinn im Ortsnamen D'TST entdeckt, daß Israel darum von Amalek überfallen wurde, weil es seine Händo in der Erfüllung seiner Pflichten sinken ließ ( D'T p'flia ), geht es hart am Ursinn der Sage vorbei, die eben aus dem Ortsnamen o^TSI erschloß, daß Mosis Hände niedersanken, welche Beziehung im heutigen Text dadurch verschüttet ist, daß der Erzähler statt nßT „sinken" das Wort 133 „schwer sein" gebraucht. Ähnlich soll in der Erzählung von der Paradiesesschlange das Wortspiel, das Gen. 3, 15 das Tun des Menschen, der der Schlange den Kopf zertritt, wie das dieser, die jenem nach der Ferse schnappt (?), mit dem gleichen 2) Die nähere Begründung hoffe ich demnächst geben zu können. " - ») Mechilta z. St. - 23