Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 49.1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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schaftlichen Prüfung in jüdischer Religion für das Lehramt an höheren Schulen in Preußen", die unsere Hochschule als eine der für die Prüfung ausbildenden Anstalten bestimmt und zwei ihrer Dozenten in die Prüfungskommission beruft, eine weitere die Gesetzesvorlage der Staatsregicrung über die Rechtsstellung der Jüdischen Gemeinden in Preußen, dieabcrvomLandtagvorläufignochnichlverahschiedetwurde. Die Zahl der Studierenden, die bei Kriegsende äußerst genug war, ist seitdem von Jahr zu Jahr gewachsen; sie betrug 1920 : 58, 1924: 63, 1929: 106 und stieg 1932 auf 155. Während in den Inflationsjahren die Zahl der Ausländer überwog und bisweilen mehr als 70 o/o ausmachte, ist sie seitdem bedeutend zurückgegangen und beträgt 1932 nur noch 38 o/o. Beträchtlich zugenommen hat die Zahl der weiblichen Studierenden; im Sommer 1932 beträgt sie: 27. Der Zuwachs hängt nicht nur mit dem allgemein zu beobachtenden starken Andrang zum Hochschulstudium, sondern auch mit den bis vor kurzem sehr günstigen Aussichten zur Erlangung eines Rabbineramtes und mit den Hoffnungen, die an die Zulassung der jüdischen Religion bei der Prüfung für das höhere Lehramt geknüpft wurden, zusammen. Es darf aber auch nicht übersehen werden, welch bedeutenden Anteil an dieser Zunahme die weitherzigen Bestimmungen unserer Hochschule haben, die auch solchen Studierenden ihren Besuch ermöglichen, die eine vertiefte jüdische Bildung in einzelnen Gebieten suchen, ohne sich ganz diesen Studien widmen zu können. Gerade in einer Zeit wie der jetzigen, da in der Jugend das Verlangen nach Vermehrung und Vertiefung des jüdischen Wissens so stark ist, gewinnt diese Einrichtung besondere Bedeutung; der Einfluß auf die kulturelle Entwicklung des Judentums, den die Hochschule dadurch nimmt, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, sie darf einen bedeutenden Anteil an der jüdischen Renaissance für sich in Anspruch nehmen. Den Bedürfnissen der Nachkriegszeit und Anregungen von außen entsprechend, hat die Hochschule in den letzten Jahren der Ausbildung ihrer Zöglinge in einigen Fächern der praktischen Betätigung mehr Aufmerksamkeit zugewendet. Die für den künftigen Lehrer so notwendige Unterweisung in der Methodik des jüdischen Religionsunterrichts ist intensiver gestaltet, für den künftigen Redner sind Kurse für Sprechtechnik eingerichtet und endlich für den Sozialarbeiter solche für Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik eingeführt worden. Von der Seite ihrer Leistungen konnte die Entwicklung der Hochschule befriedigen. Hingegen bereitete die Frage ihrer Erhaltung im letzten Jahrzehnt die allerschwersten Sorgen. Die verheerende Wir- 6