Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 49.1932
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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gewährleistet Ungeachtet aller Fährnisse, denen die Hochschule in ihrem Dasein ausgesetzt war, ist es bisher immer noch gelungen, ihre Freiheit von allen Abhängigkeiten und allen parteimäßigen Bindungen aufrechtzuerhalten. Die Hochschule litt in ihren Anfängen schwer unter dem Mangel an Teilnahme. Da sie keiner Partei angehören wollte, hatte sie die Gegnerschaft alier zu spüren. Ihre Mittel waren unzureichend: „so arm wie einst unsere Hochschule hat noch keine gleichartige Anstalt; ihren Lebensweg begonnen". Das kühne Vertrauen der Gründer, daß die Wirksamkeit der Anstalt ihr Freunde und Gönner zuführen würde, erfüllte sich nicht. Das Defizit blieb chronisch, auch die bescheidenste Möglichkeit zur Ausweitung der Hochschule war versagt. Selbst ihr Name, der ein Programm einschloß, ward ihr nicht gegönnt; als sie um die Verleihung der Rechtsfähigkeit nachsuchte, versagten die Staatsbehörden ihr den Titel Hochschule uud zwangen ihr die nichtssagende Bezeichnung „Lehranstalt" auf. Auch in ihrem Inneren sah es nicht so aus, wie man es gewünscht hätte. Das ausgezeichnete Hörcrmaterial der ersten Jahre fand nicht den richtigen Ersatz. Für die Sonderaufgabc, welche die Hochschule sich gestellt hatte, war ihre Organisation zu schwach; sie fand nicht jene Besucher, welche sich dazu eigneten, die Erreichung ihres hohen Zielen zu sichern. An Stelle einer fortschreitenden Entwicklung traten schwere Kämpfe um die Selbstbehauptung. Bisweilen mußte die Hoffnung bis hart an die Grenze der Verzweiflung sinken. Um die Anstalt wenigstens erhalten zu können, mußte 1891 eine Subvention der Jüdischen Gemeinde Berlin nachgesucht werden. Weitergehende Vorschläge, die Unabhängigkeit der Anstalt zu opfern und durch eine Übernahme seitens der Gemeinde ihren Bestand zu sichern, hat das Kuratorium, seinen Grundsätzen getreu, abgelehnt. Es vertraute auf die Werbekraft der durch die Anstalt vertretenen Idee, vertraute darauf, daß das neu erwachende Verständnis für die geistigen Güter des Judentums auch die Opferwiliigkeit für ihre Erhaltung und Erforschung anregen und beleben würde. Die Anstalt bestand bereits 25 Jahre, und ihr Etat bewegte* sich noch immer unter 20000 M., ihr Vermögen unter 200000 M.I Die Jahrhundertwende brachte tatsächlich eine Wendung zum Besseren. Die Abkehr vom Materialismus und Rationalismus, das Innewerden der Verbundenheit mit dem Vatererbe kam auch der Hochschule zugute. Begeisterte Freunde regten das Interesse weiterer Kreise, auch auswärtiger Gemeinden, für sie an. Zum ersten Male flössen ihr größere Stiftungen zu. Eine Schenkung ermöglichte es, U