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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1932-01-01 · 49.1932 · page 3

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
49.1932
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273643--2410-2276214
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Vor 60 Jahren, im Mai 1872, wurde die Hochschule für dio Wissenschaft des Judentums eröffnet. Der Gedenktag trifft uns in einem Augenblick schwerster Bedrängnis, es geht um die Frage von Sein oder Nichtsein. Nicht aus Gründen der inneren Existenz der Hochschule; ihr Besuch und das Interesse an ihrem Arbeitsgebiet sind größer als je. Die Bedürfnisfrage stellt außer Zweifel. Höchst verzweifelt aber stellt sich die Frage ihrer materiellen Existenz dar, das Problem der Aufbringung der Mittel für ihre Erhallung. Der Hochschule sind schwierige Situationen nicht unbekannt, sie hat sich während ihrer Gescliichte wiederholt am Rande der Gefahrenzone befunden. Aber niemals war die Lage so trostlos wie heute, niemals die Hilfe aller Freunde ihrer Bestrebungen so dringlich wie gegenwärtig! Was der Hochschule Lebensrecht gibt, ist nicht nur ihre unmittelbare Leistung für die wissenschaftliche Erforschung des Judentums, für die Heranbildung von Rabbinern, Rcligionslchrern und Sozialarbeitern, sondern auch die Idee, welche sie verkörpert. Ihre Gründung fällt in eine Zeit kraftvollen Aufstrebens. Freiheitliche Gesinnung, idealer Schwung beflügelten das Geistesleben. Da erwachte auch in jüdischen Kreisen das alte Sehnen, das ein Menschenalter vorher in den Bemühungen um die Begründung einer Jüdischtheologischen Fakultät zum Ausdruck gekommen war. Es sollto jetzt verwirklicht werden. Was die Hochschule wollte, wich von den Imjstehenden jüdischen BUdungsanstallen ab. Sie wollte frei sein, in Unabhängigkeit von Staats- und Gemeindebehörden ihre Tätigkeit ausüben. Sie wollte über allen jüdischen Parteien stehen, ihre Lehrer ohne Rücksicht auf ihre Stellung zu umstrittenen Problemen des Judentums berufen, wenn sie nur ihre wissenschaftliche Befähigung für das Lehramt erwiesen hatten und sich verpflichteten, „ihre Vorlesungen lediglich im reinen Interesse der Wissenschaft des Judentums, ihrer Erhaltung, Fortbildung und Verbreitung" zu halten. Sic wollte Studierenden aller Fakultäten und aller Bekenntnisse ihre Pforten öffnen, wenn diese nur den Wunsch hatten, sich in der Wissenschaft des Judentums zu unterrichten. Die Lehrfächer sollten nicht a,uf die Gegenstände der jüdischen Theologie beschränkt bleiben, sondern alles umfassen, was das Leben des Judentums und der Juden in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft berührt. Die Hochschule sollte neben, aber in engster Verbindung mit der Universität ihr© Arbeit leisten, die Universitas litcrarum durch ein Gebiet ergänzen, das dort nicht vertreten war. In der Zusammensetzung des Kuratoriums und des ersten Lehrerkollegiums waj die Überparteilichkeit 3

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