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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1931-01-01 · 48.1931 · page 50

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
48.1931
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 50)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273641--2391-2276194
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priesterlichen Beruf Israels ttbcrninnnt, das durch sein bloßes Dasein die rechte Gottesauffassung unter den Nationen unaufhörlich lohrl, ruft, predigt und zu erhalten sucht51), so ergibt das eine grundsätzlich andere Konzeption. Auch in der abgeschwächten Forin. die er dem Gedanken der Erwählung Israels gibt, ist er in sein Grundschema nicht einzufügen. Wenigstens andeutend sei noch darauf hingewiesen, daß diese Schwierigkeiten nicht allein der Theorie Mendelssohns angehören, sondern sich in seiner religiösen Gcsamthaltung wiederfinden. Die begriffliche Scheidung zwischen der universalen Vernunftreligion und dem jüdischen Heligionsgcsetz ist der gedankliche Ausdruck für den Dualismus der beiden religiösen Sphären, in denen sich auch das Leben Mendelssohns bewegt. Es steht für ihn nicht so, dali er sich religiös ausschließlich dem Judentum und nur außerhalb der Religion dem allgemeinen geistigen Lebenszusammenhange seiner Zeit angehörig weiß. Dieser Lebenszusammenhang hat vielmehr für ihn eine religiöse Grundlage, und er fühlt sich als Glied einer überkonfessionellen religiösen Gemeinschaft, deren Bekenntnis die ewigen Wahrheiten dernatürlichen Religion sind. Seiner Aufklärungsreligiosität ist dio natürliche Religion keine Abstraktion, sondern eine lebendige Realität, die sich in seinem Jahrhundert die Geister erobert. Bei der völligen Übereinstimmung1 ihrer Ideen mit denen des Judentums empfindet Mendelssohn keinen Widerspruch, wenn er sich beiden mit gleicher Treue verbunden fühlt. Der Idealismus der Vernunft stellt ihn in dio religiöse Gemeinschaft der Aufklärung, die selbstverständliche Ursprünglichkeit seines jüdischen Gefühls in die des Judentums. Seine jüdische Welt baut sich in der Lebcusordnung des jüdischen Gesetzes auf, das er mit gewissenhafter Treue befolgt. So ist jeder Widerspruch vermieden, aber um den Preis einer eigentümlichen Spaltung seines Lebens, die sich bis in dessen Einzelheiten hinein verfolgen läßt. Ein solches Nebeneinander von religiöser Idee und religiöser Lebensordnung ist ohno Gewaltsamkeit nicht durchführbar. Soll die religiöse Lebensordnung des Judentums nicht zu einer rein formalen Gcsetzcscrfüllung herabsinken, so verlangt sie ihren religiösen Sinn, der zugleich der Dascinssinn der jüdischen Gemeinschaft ist. Mendelssohn spricht das in einem bekannten Briefe an Herz Homberg aus, wenn er die Notwendigkeit des jüdischen Zeremonialgesetzes damit rechtfertigt, daß die „ächten Thcisten" eines „Bandes der Vereinigung" bedürften, „so lange noch Polytheismus, Anthropomorphis-

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