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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1931-01-01 · 48.1931 · page 49

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
48.1931
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273641--2390-2276193
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Vorstellung bezeichnete, versinnlichende Vorstellungen Gottes geworden1»). Aller Irrglaube der heidnischen Religionen und mit ihm alle ihre sittlichen Greuel haben hier ihre Wurzel. .Mendelssohn kehrt, wie bereits früher bemerkt, im „Jerusalem" zu der traditionellen Lehre zurück, die das Heidentum als eine Entartung ursprünglich reiner Heligion betrachtet, und während er früher in den Vorurteilen und dem Aberglauben des Heidentums das Mittel zur Erfassung unentbehrlicher Wahrheilen in den rohen An rängen der Menschheil gesehen hatte, ist ihm jetzt „die Gottlosigkeit selbst nicht weniger gottlos als eine solche Religion""). Im jüdischen Volk sollten an Stelle der Zeichen die „Handlungen und Verrichtungen" treten, die einer solchen Mißdeutung nicht ausgesetzt waren. Das Zeremonialgesetz war das Mittel, die reine Wahrheit der Vemunl'lreligion im jüdischen Volke zu erhallen50). In dieser Konstruktion sind bei all ihrer Geschicklichkeit doch die Spannungen und Brücheunschwer erkennbar. Sie hält an der Evidenz der Lehren der natürlichen Religion für die schlichte Menschenvernunft fest, aber sie raubt diesem Gedanken doch seine eigentliche Kraft, wenn sie dem menschlichen Geist eine natürliche Tendenz zur Verdunklung der ihm ursprünglich gegebenen Wahrheil zuschreibt, welche den überwiegenden Teil der Menschheit mit psychologischer Notwendigkeit in die Irrtümer des Heidentums verstrickt. Es macht schließlich keinen allzu großen Unterschied, ob die Menschen die zu ihrer Glückseligkeit erforderliche Wahrheit verfehlen, weil sie sie von Hause aus nicht erkennen können oder weil die Vernunft in ihnen oder bei ihren Vorfahren verdunkelt worden ist. Dieselbe Schwierigkeit kehrt noch einmal wieder, wenn Mendelssohn das Schutzmittel gegen das Heidentum nur einem Volke zuteil werden läßt. Mendelssohn kann es mit der Allgüle Gottes nicht vereinbaren, daß er die für die Glückseligkeit des Menschen erforderlichen Wahrheiten nur einem Volke offenbart haben soll, aber dasselbe Bedenken trifft auch die Gcsctzesoffenbarung, die nur ein Volk auf dem Wege der Wahrheit erhält. Sobald der Offenbarung überhaupt ein religiöser Sinn zugesprochen wird, ist es unvermeidlich, daß der Empfänger der Offenbarung durch si« auf eine höhere religiöse Stufe emporgehoben wird, so gewiß es keine Offenbarung geben kann, die nichts offenbart. Der Sinn des göttlichen Geschichtsplanes kann dann nicht mehr in der unterschiedslosen Gleichheit aller Zeiten und Völker gesehen werden. Wenn Mendelssohn-zur Losung der Schwierigkeit den Gedanken von dem 51

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