Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 48.1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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den 'ihm bereits bekannten Gott angehalten. Ganz ebenso hat Spinoza früher schon von den Propheten gesagt, daß Gott ihnen jeweils in der Form erschienen sei, die ihrer Gottesauffassung entsprochen habe, was wiederum nichts anderes besagt, als daß durch die Offenbarung selbst die Gottesvorstellung nicht erst gegeben werden kann-). Die Ausnahme, die in der Lehre vom Glauben hinsichtlich der den Gehorsam fundierenden .Momente der Goltesvorstellung gemacht wird, kann dem in sich geschlossenen Gedankengang nichts von seiner Klarheil nehmen. Mendelssohn fand hier die Anschauung deutlich entwickelt, daß eine Offenbarung von Gott und seinem Wesen nicht möglich ist, und daß der Sinn der Offenbarung nur der Gehorsam, sei es in politischer, sei es in moralischer Hinsicht, sein kann. Für die Wirkung des Gedankens auf ihn verschlug es nichts, daß er sicherlich so gut wie der moderne Leser des theologisch-politischen Traktats durchschaut hat, daß dessen Offenbarungsglaube nur eine Fiktion ist und sein will. Die Cbcreinstimnvmg zwischen Mendelssohn und Spinoza ist um so bedeutsamer, weil sie gemeinsam gegen die ganze Tradition des theologischen Rationalismus stehen. Soweit der religiöse Rationalismus das Faktum einer Offenbarung überhaupt anerkennt, faßt er ihr Verhältnis zur Vernunft so, daß beide dieselbe Wahrheit in sich enthalten. Die Offenbarung gibt der Vernunftwahrheit die göttliche Bekräftigung. Das ist die gemeinsame Überzeugung z. B. der jüdischen Rationalisten des Mittelalters, die den Zweck der Offenbarung darin sehen, die grundlegenden Wahrheiten der Religion, die dem Philosophen durch seine Vernunft gewiß sind, auch dem Volke zuganglich zu machen, das zu ihrer rationalen Erfassung unfähig ist"). Dasselbe lehrt in bezug auf den rationalen Unterbau der religiösen Wahrheit auch die "christliche Scholastik, und in der Aufklarungsphilosophie gewinnt dieser Gedanke erhöhte Bedeutung. Die Übereinstimmung mit der Vernunft ist der entscheidende Beweis für den göttlichen Ursprung des Christentums, und der Zweck der christlichen Offenbarung wird darin gesehen, die ewige Religion der Vernunft in klarster und einfachster Form allgemein bekannt zu machen. Mit relativ konservativen Denkern wie Leibniz51) und Locke teilen diese Lehre auch die Führer des Deismus wie Toland und Tindal. Des letzteren Dialog „Christianity as old as the creation or the Gospel a republication of the religion of nature" gibt schon in seinem Titel dieser These Ausdruck. Spinoza und Mendelssohn wenden sich gemeinsam gegen die letzte Voraussetzung dieser Theorie, UO