Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 48.1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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einzusehen".19) Nach dorn Zusammenhang der Stelle scheint Spinoza hier freilich zu der Folgerung Innleiten zu wollen, daß mit der göttlichen Stimme eine sichtbare Erscheinung Gottes selbst verbunden gewesen sein müsse, um das Volk von seinem Dasein zu überzeugen, so daß ihm die Grundtatsacho der jüdischen Offenbarung zu einem Beleg für seine Behauptung wird, daß die Bibel Gott körperlich gedacht hat. Allein Spinoza kommt noch einmal auf die Offenbarung am Sinai zurück und die Ansatzpunkte für den Gedankengang Mendelssohns treten in diesen späteren Ausführungen noch wesentlich klarer hervor als bisher. Seine weiterhin noch zu besprechende Theorie des Glaubens bestimmt diesen als eine Lehre des Gehorsams, die nicht zur Erkenntnis der theoretischen Wahrheit, sondern zur Frömmigkeit des Lebenswandels anleiten will. Schon in der Vorbereitung dieser Lehre findet sich eine Auseinandersetzung, die in eingeschränkterer Form den Kern des Mcndelssohnschen Gedankens in sich enthält. Die Meinung, daß man die Attribute Gottes, ohne sie zu verstellen, einfach zu glauben habe, wird hier als Unsinn bezeichnet, weil unsichtbare Dinge, die bloß Gegenstande des Geistes sind, nicht anders als durch Beweise erfaßt werden können. Hört man sie bloß und spricht sie nach, so hat das nicht mehr Bedeutung als die Worte eines Papageien20). In der Darlegung seines Glaubensbegriffes selbst, erklärt Spinoza dann, daß der Glaube die Vorstellungen von Gott umfaßt, die als Voraussetzungen des Gehorsams praktisch unentbehrlich sind. Im übrigen soll der Glaube die Gottesvorslellung völlig frei lassen und jedem das Recht verbleiben, sich Gott so zu denken, wie es seiner Fassungskraft entspricht. Durch diese Ausführungen sollen auch die früheren Schwierigkeiten bezüglich der Offenbarung am Sinai ihre Lösung finden. „Denn wenn auch jene Stimme, welche die Israeliten hörten, ihnen keine philosophische oder mathematische Gewißheit von der Existenz Gottes hatte geben können, so genügte sie doch, um sie zur Bewunderung Gottes, so wie sie ihn vorher gekannt hatten, hinzureißen und zum Gehorsam anzuleiten, was der Zweck jenes Schauspiels war. Denn Gott wollte die Israeliten nicht die absoluten Attribute seines Wesens lehren (er hat nämlich damals keine offenbart), sondern ihren widcrsi>onstigen Geist brechen und zum Gehorsam bringen".3i) Danach wird die Erkenntnis Gottes in der Offenbarung nicht gelehrt, sondern vorausgesetzt. Die Gotlesvorstcllung des Volkes wird durch die Offenbarung nicht geändert, sondern es wird nur zum Gehorsam gegen 39