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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1931-01-01 · 48.1931 · page 36

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
48.1931
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273641--2377-2276180
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daß das Judentum nicht offenbarte Religion, sondern offenbarte Gesetzgebung ist, muß in einer ganz anderen Ebene verlaufen. Sein nächster und unmittelbarer Beweis liegt darin, daß eine offenbarte Religion in sieh unmöglich ist. Die letzten religiösen Grundwahrheiten können dem menschlichen Geiste nicht durch eine äußere Offenbarung mitgeteilt werden, weil unser Geist eine solche Mitteilung nicht verstehen würde, wenn diese Wahrheiten ihm nicht zuvor von sich aus bekannt wären. Sie haben ihren alleinigen Silz in unserer Vernunft, die durch die Offenbarung weder ersetzt zu werden braucht, noch ersetzt werden kann17). Erst auf der Grundlage der religiösen Vernunfterkenntnis ist eine sie ergänzende religiöse Gesetzesoffenbarung möglich. Wenn bei so tiefgreifendem Gegensätze jede innere Gemeinschaft ausgeschlossen zu sein scheint, so ergibt sich bei genauerer Prüfung ein durchaus anderes Bild. Der eben angeführte Gedankengang Mendelssohns erweist sich als Weiterbildung eines Gedankens Spinozas, und die Übereinstimmung zwischen beiden ist auch in der Formulierung so weitgehend, daß an ein zufälliges Zusammentreffen nicht gedacht werden kann. Mendelssohn sagt in bezug auf die sinaitischc Offenbarung: „Wen sollte die Donnerstimme und der Posaunenklang von jenen ewigen Heilslehrcn überführen? Sicherlich den gedankenlosen Thiermenschen nicht, den seine eigene Betrachtung noch nicht auf das Dasein eines unsichtbaren Wesens geführt hat, das dieses Sichtbare regiert. Diesem würde die Wundcrstimmc keine Begriffe eingegeben, also nicht überzeugt haben. Den Sophisten noch weniger, dem so viele Zweifel und Grübeleien vor dem Gehöre sausen, daß er die Stimme des gesunden Menschenverstandes nicht mehr wahrnimmt18)." Man vergleiche damit die Satze Spinozas über die Stimme, die am Sinai dem Volke Israel den Dekalog verkündete. „Es scheint nicht wenig der Vernunft zu widerstreiten, daß ein geschaffenes Ding, von Gott in derselben Weise wie allo übrigen abhängig, das Wesen oder die Existenz Gottes tatsächlich oder mit Worten durch seine Person ausdrücken und erklären könnte, indem es nämlich in der ersten Person spräche, ,Ich bin Jehova, dein Gott usw.*. . . . Aber wie dem Verlangen von Menschen, die vorher nichts als den Namen Gottes kannten und mit ihm zu reden begehrten, um seiner Existenz gewiß zu werden, durch ein Geschöpf Genüge geschehen ist (das zu Gott nicht mehr als die übrigen geschaffenen Dinge in Beziehung steht und zur Natur Gottes nicht gehört), welches sagte: ,Ich bin Gott', vermag ich nicht 38

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