Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 48.1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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Stellung zu Spinoza hat er durch sein ganzes Leben festgehalten. Auch in seinem Kampfe gegen Jacobi ist er von dieser Linie niebt abgewichen. Die Heftigkeit seiner Abwehr gilt der Zumutung, daß Lessing in den längst überwundenen Irrtum Spinozas zurückgesunken ist und sich seiner aller Religion widerstreitenden Lehre angeschlossen hat. Sein geschichtliches Urteil über Spinoza bleibt davon unberührt, ja, seine „Morgenstunden" bemühen sich, in dem Gedanken dos ..geläuterten Pantheismus" den berechtigten Kern des spinozistischen Systems herauszuarbeiten, zu dessen reiner Erfassung Spinoza selbst nicht gelangt sei10). In vollkommener Übereinstimmung mit seiner Jugendschrift charakterisiert er Spinoza in dem „Jerusalem" selbst. Ganz ähnlich wie früher dem Spinoza, will er dort dem nicht weniger verketzerten Hobbes geschichtliches Hecht widerfahren lassen und faßt seine Ausführungen in die Sätze zusammen: „Hobbes hat das Verdienst um die Moralphilosopbic, das Spinoza um die Metaphysik hat. Sein scharfsinniger Irrtum hat Untersuchung veranlaßt".11) Dies ist die einzige Erwähnung Spinozas im „Jerusalem", und es ist im Zusammenhang der Ausführungen Mendelssohns doppell auffällig, daß er nur auf die Metaphysik Spinozas Bezug nimmt und an der Grundlegung der Ethik und Rechtsphilosophie im theologisch-politischen Traktat trotz ihrer Verwandtschaft mit Hobbes ganz vorübergeht. Auch sonst führt er den Traktat nirgends an, und wohl die einzige Ausnahme bildet eine gelegentliche Erwähnung der Wunderkritik Spinozas in den Gegenbetrachtungen über Bonnets Palingenesie12). Allein das Gewicht der inneren Gründe ist stark genug, um die Anknüpfung des „Jerusalem" an den Traktat Spinozas auch ohne äußere Bezeugung zu rechtfertigen. Von einem Anschluß an Spinoza in dem Sinne, daß Mendelssohn seine Thesen einfach übernimmt, kann ja bei der grundverschiedenen Tendenz beider Werke auch nicht die Rede sein. Der theologisch-politische Traktat ruht philosophisch auf dem Pantheismus, zu dem Mendelssohn sich im schärfsten Gegensätze weiß. Spinoza will den Gedanken der Offenbarungsreligion, der von seinen systematischen Voraussetzungen aus unmöglich ist, auch von innen heraus auflösen, Mendelssolin will dem Begriff der Offenbarung sein Recht neben dem der Vernunft wahren. Die Darstellung des Judentums im theologisch-politischen Traktat ist dazu bestimmt, ihm seine religiöse Bedeutung zu rauben, während der „Jerusalem" als eine Apologie des Judentums gedacht ist. Auch das Verhältnis von Religion und Staat bestimmen beide Denker trotz 35