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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1931-01-01 · 48.1931 · page 25

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
48.1931
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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IRI
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den deutschen Kulturkreis geführt hatte, ließ sich durch die Kritik des Gesetzes, die ein integrierender Bestandteil dieser Zivilisation zu sein scheint, nicht beirren. Und wenn führende Persönlichkeiten seiner Generation sich durch die Kritik des Gesetzes einschüchtern ließen und unter ihrem Einfluß nicht nur ihre jüdisch-politische Auffassung, sondern sogar ihre Theorie vom Judentum gestalteten, so vermochte dies seine innere Stellungnahme zu Thora und Gesetz nicht zu erschüttern. Gegenüber der europaischen Zivilisation, die für ihn wahrlich kein Ruch mit sieben Siegeln gewesen ist, bewahrte er sich die unbedingte Hochachtung vor der Thora und die Verehrung, die seine Ahnen für sie empfunden hatten. Mit einer Mischung von Ehrfurcht lind Stolz blickte er auf Thora und Ilalacha, wie man vor einem großen Vater oder vor einer großen Mutter von dem Gefühl der Ehrfurcht und zugleich des Stolzes über ihren Besitz erfüllt ist. Er war innerlichst davon durchdrungen, daß die kritische Ablehnung des Gesetzes und die Abkehr von ihm im letzten Grunde nur auf die Unkenntnis des Gesetzes, seiner tiefen Prinzipien, seiner Notwendigkeit zurückzuführen sei. Für Eduard Baneth gab es keine Kompromisse, aber er war kein Kämpfer. Dem geraden und aufrechten Manne ohne Falsch und Tücke, der „ebenso groß in seiner Bescheidenheit wie bescheiden in seiner Größe" war, verbot diese Bescheidenheit und Zurückhaltung, in die Kämpfe des Tages hinabzusteigen. Vielleicht lag es an dieser Grundhaltung, daß Eduard Baneth, so sehr sein Rationalismus in seine Epoche hineinpaßte, dennoch in seiner Zeit keine Wurzeln fassen konnte, ein Fremder in ihr war. Kann denn aber ein Gelehrter, so fragen wir, er mag in seiner Wissenschaft noch so bedeutend sein, ein Lehrer seiner Generation genannt werden, wenn er zwar über ihr, aber nicht zugleich in ihr steht? Die Antwort auf diese Frage kann nur zum Ruhme Eduard Baneths ausfallen. Die größten Lehrer und Meister aller Völker haben außerhalb ihrer Zeit gestanden. Im rastlosen Fluß der Dinge der Kultur gibt es für sie keine Gegenwart. Sie reden in einer Sprache, die viele in ihrer Zeit nicht verstehen — aber in ihrer Seele wobt das Leben vergangener Geschlechter und ihr geistiges Auge antizipiert die Zukunft. In diesem Sinne ist Baneth ein echter Lehrer und in Wahrheit ein Lehrer in Israel gewesen. Er trug die Kulturvergangenheit Israels in seinem Herzen. In seiner jüdischen Seele fand das Ethos der Propheten, die Lyrik der Psalmisten, das gesetzgeberische Pathos der Rabbinen herrliche Resonanz. 27

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