Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 48.1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2273546-2273641--2367-2276170- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Und er war ein D»?n HHtf Bin ein treuer Künder der Tradition, in dem Theorie und Praxis in harmonischer Einheit zusammentönten. Daß Eduard Baneth aber auch aufs Innigste mit der Zukunft Israels verbunden war, hing mit dem Tiefsten zusammen, das vom Judentum ihm innerstes Besitztum geworden war: mit jener Krönung des halachischen Systems, die, entgegen dem rationalen Grundcharakter der Halacha, wie Mystik anmutet, dem messiauischen Ideal und den messianischen Hoffnungen des Judentums. In der Generalion Eduard Baneths hatte auch Hermann Cohen, der gleich ihm aus heißer Seele in diesem Hause freudig die Pflicht erfüllt hat, rrVHKn1?! min b^Tb — zun- Ruhme unserer Religion seine Stimme zu erheben — aus liefen philosophischen Erwägungen den Messianismus als die Krönung des Gedankenbaus des Judentums erklärt. Hermann Cohen hat allerdings in dem Bemühen, Deutschtum und Judentum auch politisch miteinander zu vereinen, die Verwirklichung des messianischen Ideals von seiner Verknüpfung mit der Zukunft des Volkes der Propheten als solchem gelöst. Eduard Baneth lagen diese aus politischen Bedürfnissen der Zeit stammenden Bindungen fern. In tiefem Einklang mit den weltpolitischen Hoffnungen der Halacha ebenso wie der die Halacha schmückenden Hagada, dachte und forderte er die Zukunft der Menschheit in untrennbarer Verbindung mit der Erlösung und Heimkehr des jüdischen Volkes. Vor dem Weltkriege erschien eine solche außerhalb aller Kompromisse stehende Auffassung wie eine theoretische Träumerei. Als der Weltkrieg kam, wurde Eduard Baneth von dem Gedanken erschüttert, daß aus all den Wirren der Zeit die Erlösung der ganzen Menschheit und als ein Teil von ihr die weltgeschichtliche Rehabilitierung des jüdischen Volkes hervorgehen werde. Nur in ganz seltenen Stunden mündlicher oder schriftlicher Mitteilung sprach er sich über dies zarteste Anliegen seiner Seele aus. Eduard Baneth starb in der zuversichtlichen Hoffnung, daß die Zeit der Erlösung nahe sei und daß am Ende der TPWn ^an, der schworen Geburtswehen der Tage des Messias, durch die neue Menschheit das Unrecht wiedergutgemacht werden würde, das in 2000 Jahren seinem Volke angetan worden war. Nun ist dieser jüdische Gelehrte, dieser Lehrer in Israel dahingegangen. Ein« der letzten Säulen einer sterbenden Generation ist gefallen. Wir alle haben ihm zu danken: für seine Treue, für .sein Q8