Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 48.1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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von Mißgunst fremd war und dem die Erfolge seiner Kollegen die größte Freude bereiteten, er war im wahren Sinne des Wortes ein p'TC. Es sei mir gestattet, hier als Illustration sein Verhältnis zu mir zu erwähnen. Es ist bekannt, daß man gewöhnlich mit seinem designierten Nachfolger nicht eng befreundet ist. Ja, sogar nebeneinander im gleichen Fache wirkende Lehrer oder Forscher hegen im allgemeinen keine innigen Freundschaftsgefühle zueinander. Wie anders wär dies aber bei Banethl An ihm bewährte sich der Ausspruch unserer Alten: inaniK p aniK Dann*)« der Weise liebt seinen Fachgenossen. Er war mir wie allen seinen Kollegen ein lieber Freund, und wir haben daher stets seine abweichende Meinung respektiert, da wir wußten, daß es ihm immer um die Sache und nie um persönliche Motive zu tun war. Wegen dieser seiner seltenen und von hohem sittlichem Ernst durchdrungenen Eigenschaften wird er uns stets als Vorbild in unserem Tun und Handeln dienen. Sein großer Geist wird in der Wissenschaft des Judentums und in unserer Hochschule fortleben. Wir sind ihm dankbar für all das, das er uns gegeben hat, und werden ihm ein liebevolles und treues Gedenken bewahren. Sein Andenken sei gesegnet! .•JVO nDT VT 2. Hede des Herrn Dr. Jucohus Meine Damen und Herreu! Der jüdische Gelehrte und Lehrer in Israel, zu dessen Ehren wir uns trauernd hier versammelt haben, ist kein Gelehrter oder Lehrer im landläufigen Sinne dieser Begriffe gewesen. Er war ein echter Gelehrter: von seinem Gegenstand erfüllt und ihm hingegeben. Er lebte in dem Stoff seines engeren Arbeitsgebietes, der Halacha, und stand zugleich mit souveräner Kritik über ihm. Das allein macht den echten Gelehrten, daß er das Ganze seines Arbeitsfeldes überschaut, bis zu den letzten Gründen seiner Wissenschaft vordringt und sich von ihnen Rechenschaft gibt. Einen wissenschaftlichen Gegenstand beherrschen heißt nichts anderes, als ihm mit souveräner Kritik und also mit geistiger Freiheit gegenüberstehen. Ein Gelehrter dieser Art ist Eduard Baneth gewesen. Wenn der Vertreter des Kuratoriums der Hochschule am Grabe des Meisters die Synthese von tiefer Frömmigkeit und geistiger Freiheit hervor- •) Gen. rabba 32, 2. 25