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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1931-01-01 · 48.1931 · page 21

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
48.1931
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273641--2362-2276165
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Lücken der Kommentare auszufüllen. Den Niederschlag dieser Studien besitzen wir in seinen Arbeiten über „Maimunis Neumondsberechnung", die in den Jahresberichten der Hochschule veröffentlicht wurden. Auch seine Studie über die sozialen Motive in der rabbinischen Rechtspflege, die in der Festschrift der Hochschule erschienen ist, verdankt seiner Neigung zur Mathematik ihre Entstehung, da die in ihr behandelte Mischna mehrere Möglichkeiten für mathematische Berechnungen bot. Wie seine Werke letzten Endes in seinem religiösen Pflichtgefühl gegenüber dem Studium der Thora ihren Ursprung haben, so stand sein ganzes Leben im Dienste der Thora. Er gehörte zu denen, die einzig und allein die jüdische Lehre als Richtschnur für ihr Handeln gelten lassen, zu den wenigen, für die Leben und Lehre eines ist. Hei seinem kritischen Denken war es aber natürlich, daß ersieh nicht nach den landläufigen Anschauungen richtete, sondern stets den Dingen auf den Grund ging und hier und da auch gegen die allgemein» konservative Auffassung handelte. Er selbst erzählte mir, wie er seinem Lehrer gegenüber seine abweichende Meinung in einer weit verbreiteten religiösen Frage entschieden und energisch vertrat. Abor schon sein Wirken an der Hochschule zeugt von selbständigem, au keine Parteischablone gebundenem Denken. Dem oberflächlichen Beurteiler mag es inkonsequent und sonderbar erschienen sein, daß ein Mann von jüdisch-konservativen Anschauungen, der seine Rabbincrslello aufgab, weil seine Gemeinde den Gottesdienst nicht mehr nach altjüdischcr Tradition fortführen wollte, daß ein solcher Mann einer Berufung an die liberale Hochschule Folge leistete. In Wahrheit zeigt sich aber auch hier die von jedem Vorurteil freie Denkart Bancths. Für ihn kam es nicht auf das Wo, sondern auf das Wie an. Er wußte, daß die Hochschule ihren Dozenten die volle Lehrfreiheil gewährt, daß sie „liberal" auch in dem Sinne ist, daß sie den Dozenten keine Vorschriften für ihre Forschungen und Handlungen macht. Sie fordert von ihnen lediglich, daß sie ihre Vorträge „im reinen Inleresso der Wissenschaft des Judentums, ihrer Erhallung, Fortbildung und Verbreitung halten". Und dieses Versprechen konnte Bancth mit ruhigem Herzen und Gewissen geben und auch erfüllen. Er besaß soviel Selbstbewußtsein und er traute sich soviel Charakterfestigkeit zu, daß er keine Beeinflussung seiner religiösen Weltanschauung von Seiten seiner damaligen Kollegen befürchtete. Und in der Tat sind auch seine Widersacher bald zur Überzeugung gekommen, daß er seinen konservativen Grundsätzen auch in der Hochschule treu blieb, 23

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