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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1931-01-01 · 48.1931 · page 20

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
48.1931
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273641--2361-2276164
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Ordnung Moed entstanden, wo eben das alte „Lernen" neben dem modernen Forschen seinen Platz hat und wo talmudische Gelehrsamkeit mit wissenschaftlicher Methode gepaart anzutreffen ist. Es ist desKalb mehr als bloße Bescheidenheit, daß sich der Verfasser auf dem Titelblatt dieser Mischnaausgabe als TO^n. als Schüler bezeichnet. In dieser Bezeichnung ist zugleich die Entstehung des Werkes angedeutet. Baneth machte sich an die Arbeit als TaVn. als Schüler. Er wollte selbst „lernen" und er betrachtete sich auch nur als Schüler der Allen, der ihre Lehren und Erklärungen verdolmetschen -will. Der Schüler hat sich aber bald als Lehrer, der „Talmid" als „Talmid-Chacham", als Gelehrter erwiesen. Ursprünglich plante er auch nur, das vor ihm begonnene Werk einer Mischna-übersetzung und_. Erklärung fortzusetzen. Er mußte aber bald den engen Kähmen sprengen, da ihm jeder Mischnasatz neue Probleme sprachlicher und sachlicher Art darbot, die er selbständig, ohne Anlehnung an irgendwelche Vorgänger, zu lösen suchte. Auf diese Weise ist die Übersetzung und Erklärung allein der zweiten Mischna-Ordnung beinahe zu seinem Lebenswerk geworden, in dem sein feinsinniges .Sprachgefühl und sein tiefgründiges Wissen berodton Ausdruck fanden. Manche seiner philologischen Bemerkungen sind jetzt Gemeingut geworden, manches andere mag strittig sein, überall findet aber der Fachmann wie der •Laie eine Fülle von Anregungen, die zur Fortführung der Wissenschaft dienen. Neben seinen philologischen Forschungen, seinen Übersetzungen und Nachdichtungen? in denen er als Meister der deutschen wie der hebräischen Sprache erscheint, verdienen seine Arbeiten auf dem Gebiete des jüdischen Kalenders besondere Erwähnung. Talraudisten haben gewöhnlich für Astronomie, für Kalendcrwcsen und Mathematik kein großes Interesse. Bancth war dagegen ein geradezu leidenschaftlicher Mathematiker. Schon in seinem Kommentar zu Erubin zeigt sich seine „Lust am Rechnen". Überall, wo die Mischna irgendeinen Anhaltspunkt für mathematische Berechnungen bietet, werden sie weitläufig und mit den verschiedensten Kombinationen gemacht und dabei Aufgaben konstruiert, die nur lose mit der Mischna zusammenhängen. Diese Freude an mathematischen Berechnungen veranlaßte ihn dann bei seinem Matmonidesstudium — er pflegte nämlich Maimonides* Werk „Mischnc Thora" vom Anfang bis zum Ende zu studieren und beim Abschluß seines Studiums eine Feier (OVO) zu veranstalten — bei den Partien über Astronomie und Kalender, die von den Kommentatoren stiefmütterlich behandelt wurden, länger zu verweilen und die 22

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