Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 48.1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Reden bei der Trauerfeierfiir Prof. Dr. Eduard Baneth am 2. November 1930 1. Hede des Herrn Dr. Albeck Hochgeehrte Versammlung! Das Judentum kennt keinen Heroen- und Totenkult. Seine Helden, die eine Verehrung genießen, sind keine Helden der Kraft und der Gewalt, sondern Geisteshelden, die sich um das Judentum und seine Lehre verdient gemacht haben. Auch wir haben uns hier versammelt, um einem Helden des Geistes die gebührende Ehre zu erweisen, einem Manne, um den nicht nur seine engere Familie, sondern das gesamte jüdische Volk trauert'), einem Großen und Gerechten in Israel: unserem Lehrer und Freund Professor Eduard Baneth. Getreu dem talmudischen Ausspruche.**), daß die Geisteswerte, die die Großen geschaffen haben, ihre bleibenden Denkmäler sind, '02VDT Dn DiTin wollen wir hier die Bedeutung Baneths für die jüdische Wissenschaft im allgemeinen und für unsere Hochschule im besonderen zeichnen. Baneth war ein Wissenschaftler, der eigentlich — so paradox es klingen mag — für die Wissenschaft kein Interesse hatte. Er war sich auch seiner wissenschaftlichen Arbeit gar nicht bewußt. Er betrachtete es vielmehr als seine religiöse Pflicht, die jüdische Tradition, das rabbinische Schrifttum zu erforschen, oder wie der alte Ausdruck dafür lautet: „napV min zu lernen". Aber sein klarer Verstand und das Streben nach Gründlichkeit ließen ihn nicht an den häufig entgegenstehenden Schwierigkeiten achtlos vorübergehen. Er mußte zu den Problemen Stellung nehmen und bei seiner philologischen Schulung konnte es nicht ausbleiben, daß seine Stellungnahme eine rein wissenschaftliche und jede scholastische Scheinlösung der aufgeworfenen Fragen von vornherein ausschließende war. So sind seine gediegenen philologischen und sachlichen Erklärungen zur zweiten Mischna- •) Talmud babli Sabbat 105b. *•) Jeruscb. Schekalim II, 47 a. 4« 21