Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 47.1930
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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Während Verfasser hier ausdrücklich lehrt, daß die Frucht im vierten Jahre geopfert und von den Priestern gegessen werden darf, berichtet er sonderbarerweise von Noah, daß er die Frucht vierjähriger Weinstöcke nicht sogleich opferte. Er bewahrte vielmehr den Wein bis zum ersten Tag des ersten Monats225) im fünften Jahre, sprengte ihn dann „in das Feuer" auf dem Altar, freute sich, und er und seine Kinder tranken von ihm (7, 1—6). Da Noah nach unserem Verfasser sein eigener Priester war, so hätte er dies alles schon im vierten Jahre machen können. Verfasser scheint daher anzunehmen, daß nur ein Teil der Früchte als Erstlinge heilig ist. Von diesem Teil soll das, was für den Altar geeignet ist, als Opfer dargebracht werden (wie Wein und Öl), alles andere aber den Priestern zufallen. Die übrigen Früchte des vierten Jahres können dann vom Besitzer im fünften Jahre verzehrt werden. Noah wartete deshalb bis zum fünften Jahre, damit auch seine Kinder den Wein genießen könnten. Verfasser bezieht nämlich den Vers Lev. 19, 25: „Und im fünften Jahre dürft ihr die Frucht essen", auf die Frucht des vierten Jahres, so daß die Frucht vierjähriger Bäume insofern heilig ist, als die Erstlinge dem Altare und den Priestern gewidmet sind, und das übrige erst im fünften Jahre vom Besitzer gegessen werden darf226). Zuletzt sollen noch einige halachische Eigentümlichkeiten in unserem Buche erwähnt werden. In 3, 31 wird im Hinblick auf Adam, der seine Scham bedeckte, angegeben: „Deswegen ist in den himmlischen Tafeln für alle, die das Urteil des Gesetzes kennen, geboten, daß sie ihre Scham bedecken und sich nicht entblößen, wie sich die Heiden entblößen." Die gewundene Ausdrucksweise „alle, die das Urteil des Gesetzes kennen" beweist, daß sich Verfasser darüber im klaren war, daß ein solches Gesetz aus der Thora nicht abzuleiten ist; er hielt es aber trotzdem für einen besonderen Akt der Frömmigkeit, sich danach zu richten. Wie sehr es ihm daran lag, dieser Vorschrift Geltung zu verschaffen, beweist der Umstand, daß er auch von Noah berichtet, er habe seine Kinder ermahnt, „die Scham ihres Fleisches zu bedecken" (7, 20). Wahrscheinlich schloß Verfasser aus der Erzählung über Noah (Gen. 9, 21 f.) und aus der Vorschrift für die Priester beim Dienste im Heiligtume (Ex. 28, 42; 20, 26), daß das Urteil des Gesetzes dahin geht, sich nicht „wie die Heiden" zu entblößen. Er dachte hierbei wahrscheinlich an die Zirkuskämpfe und die Gym- 33