Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 47.1930
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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des göttlichen Vorherwissens und Vorherbestimmens" verkörpern19) und als Geschichtstafeln fungieren, in denen alles, was auf Erden geschieht, eingetragen steht, während sie nach den Jubiläen20) und den Testamenten der zwölf Patriarchen auch die Thora enthalten. Auch die an obige Voraussetzung sich folgerichtig anschließende Annahme, daß bereits die Patriarchen die Gesetze der Thora erfüllten, ist urjüdisch. Sie hat ihre Stütze in der Schrift, wo von Abraham gesagt wird, daß er „die Vorschriften, Gebote, Satzungen und Lehren" (Gen. 26, 5) bewahrte. Und wenn es im Talmud und Midrasch21) mit Bezug auf den Vers in Gen. auch nur von Abraham erwähnt wird, daß er die ganze Thora beobachtete, so setzen doch die Midraschim dies auch von den anderen Patriarchen voraus22). In Seder Elijahu23) wird auch von Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Juda und Josef gesagt, daß sie alle die Vorschriften der Thora einhielten. Diese Anschauung liegt auch der Vision der Wolken von schwarzem und weißem Wasser in der syrischen Baruchapokalypse (53—57) zugrunde. Das helle Wasser wird hier gedeutet als „das Hervorquellen Abrahams und seine Lebensgeschichte und die Ankunft seines Sohnes und seines Enkels und derer, die ihnen glichen. Denn zu jener Zeit war das Gesetz ungeschrieben bei ihnen allgemein bekannt, und die Werke der Gebote wurden damals vollbracht ..." (57)24). Diese Vorstellungen haben auch bei Philo Eingang gefunden, der sie zur Ausbildung seines Systems benutzte. In der Schrift De Abrahamo, Anf .2ä) lehrt Philo, daß in den Patriarchen „die beseelten und vernünftigen Gesetze verkörpert" waren; und Moses verherrlichte sie, um erstens zu zeigen, „daß die gegebenen Verordnungen mit der Natur in Einklang stehen, zweitens, daß es den Gutwilligen nicht viel Mühe machen kann, nach den geschriebenen Gesetzen zu leben, da die Früheren, bevor noch die besonderen Gesetze überhaupt aufgeschrieben waren, leicht und gerne nach der ungeschriebenen Gesetzgebung gelebt haben . . ." Freilich haben nach Philo die Patriarchen die Gesetze nicht wie nach dem Verfasser der Jubiläen von ihren Vätern überliefert erhalten, sondern sie schlössen sich an „die Ordnung der Natur" an, „ohne daß sie von Lehrern darüber belehrt waren . . ., nur der eigenen inneren Stimme folgend und durch sich selbst belehrt". Philo sehr nahe kommt besonders der Agadist B. Levi, der annimmt, daß Abraham von selbst die Thora lernte, wie es heißt (Spr. 14, 14): Von seinem eigenen Wandel wird der gute Mensch gesättigt26). In der Hauptsache aber stimmen die Jubiläen wie die Testamente, sowohl mit Philo als auch mit den Babbinen überein. 6