Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 47.1930
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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annehmen. Es dürfte aber am Platze sein, bevor wir zur eigentlichen Darstellung der einzelnen Halachot schreiten, ein Wort über die dargelegte Grundanschauung des Verfassers zu sagen. Im wesentlichen findet sich diese Anschauung12) auch in den Testamenten der zwölf Patriarchen, die auch sonst viele Beziehungen zu unserem Buche aufweisen und es vielleicht gar benutzt haben. Im Testament Benjamin 10 ermahnt Benjamin seine Kinder: Übet nun Wahrheit und Gerechtigkeit ein jeder an seinem Nächsten . . . und bewahrt das Gesetz des Herrn und seine Gebote. Dieses nämlich lehre ich euch statt jeglichen Erbteils. Und ihr nun gebet es euern Kindern zum ewigen Besitz. Denn dieses haben Abraham und Isaak und Jakob getan. Alles dieses haben sie uns vererbt, indem sie sprachen: „Bewahret die Gebote Gottes..." Es kann auch keinem Zweifel unterliegen, daß nach den Testamenten die Patriarchen die Kenntnis der Gesetze ebenfalls durch die Vermittlung Henochs erlangt haben. Nur so erklärt sich die mißverstandene Stelle im Testament Sebulon 3, wo das Gesetz vom Schuhausziehen bei Verweigerung der Schwagerehe (Deut. 25, 9) aus „der Schrift des Gesetzes des Henoch" angeführt wird. Die Lesart einiger Handschriften „Moses" statt Henoch ist eine Verschlimmbesserung, da Sebulon sich nicht auf den späteren Moses berufen konnte13). Vielmehr ist hier die Quelle, wie im Buche der Jubiläen angegeben, aus der die Patriarchen ihre Kenntnisse der Thora geschöpft haben. An einigen anderen Stellen14) dagegen wird direkt auf die „Tafeln des Himmels" Bezug genommen. Einzelne Elemente dieser Theorie lassen sich auch sonst im apokryphischen und rabbinischen Schrifttume nachweisen. Die Annahme, daß die Thora schon bei der Weltschöpfung vorhanden war, ist eine weitverbreitete rabbinische Agada, die die Thora zu den Dingen zählt, die v o r der Weltschöpfung geschaffen wurden15). Sie kommt auch bei Sirach (24, 9) vor, wo die Weisheit (= Thora) nach dem syrischen Text sich rühmt: Vor den AVelten ward ich geschaffen, und bis in Ewigkeit wird mein Gedächtnis nicht aufhören. Ebenso ist die ewige Geltungsdauer der Thora für die Rabbinen eine feststehende Tatsache16), und auch das apokryphische Baruchbuch spricht vom Gesetz, das in Ewigkeit besteht17). Wichtiger aber ist der Umstand, daß im Buche Henoch, dessen ältere Bestandteile unser Verfasser sehr wahrscheinlich kannte und benutzte15), die Thora ebenfalls „das ewige Gesetz" genannt wird (99, 2, 14). Dem Buche Henoch ist wahrscheinlich auch der Begriff der „himmlischen Tafeln" entlehnt, wo sie „die Idee 5