Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 46.1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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fest in Hierapolis, wo man zweimal im Jahre Wasser vom Euplirat her holte, im Tempel der syrischen Göttin Atargatis, einer Nachfolgerin der alten Astarte, ausschüttete und erklärte, daß an der Stelle des Tempels die Wasser der Sintflut aufgesogen worden waren54). Die Verehrung des Adonis in der Form des Tammus ist durch Ezechiel VIII i4 auch für jüdische Kreise bezeugt, aber zwischen der Feier von Tod und Auferstehung des Adonis-Tammus und der Feier des Hüttenfestes scheint doch ein weiter Abstand zu sein. Schon die völlige Verschiedenheit der Jahreszeit, in der die Feste gefeiert werden, sollte eine Gleichsetzung ausschließen. Die einzige wirklich vorhandene Analogie scheint die zu sein, daß in beiden Riten die segnende befruchtende Kraft der Quellen ihre Anerkennung findet. Darauf weisen auch alle Symbole des Hüttenfestes hin, ihr letzter Sinn ist, den Segen des Wassers, des vom Himmel kommenden befruchtenden Regens, herbeizuführen. „Die Thora gebietet, am Hüttenfest, wo die Regenzeit beginnt, Wasser auszuschütten, damit dadurch eine segensreiche Regenperiode herbeigeführt wird", so erklärt R. Akiba55) ganz rationalistisch die auffallende Einrichtung des Wasseropfers. Man muß wahrscheinlich, um die Motive des Festes zu verstehen, sehr weit zurückgreifen, es handelt sich hier, wenn auch keine direkten Quellen dafür vorliegen, sicher um uralte Einrichtungen, um den Ausdruck uralter religiöser Vorstellungen. Der Regen oder das Wasser überhaupt stehen als Ausdruck belebender Kraft im Mittelpunkt des Denkens und des Sehnens des Landmannes im regenarmen Orient. Den Regen faßt er unter dem Bilde der Begattung des Himmels mit der Erde, das Wasser als die Kraft, welche die Toten sogar wieder zum Leben erweckt. Der Feststrauß des Hüttenfestes wird so gedeutet, daß er lauter Gewächse vereinigt, die nur am Wasser gedeihen, durch das Wasser ins Leben gerufen werden. Die Prozessionen um den Altar mit ihrer Bitte um Gottes Beistand haben den Sinn, die Hilfe durch den Regen herbeizurufen, und nach einer in der Mischna wiedergegebenen Vorstellung hält Gott am Hüttenfest Gericht über die Verteilung des befruchtenden Regenwassers56). Die Wasserspende auf dem Altar und das dazu gehörige Fest wird in der rabbinischen Auslegung schon vom Erzvater Jakob bzw. dem Brunnen hergeleitet, an dem er Rahel trifft57). Ja, man geht noch weiter zurück und bringt den Ritus des Wasserschöpfens und des Wasserausgießens auf den Altar mit, der U r - schöpfung in Verbindung. Wenn Wasser und Wein auf dem hO