Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 46.1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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richtung, daß es erst von den hellenistisch gesinnten Hohenpriestern der vorhasmonäischen Zeit eingeführt war, um als Opfer für die Götter der Unterwelt am Fuße des Altars ausgeschüttet zu werden, daß dann die Hasmonäer diesen Brauch beseitigt und daraus eine Spende für den Altar und auf dem Altar gemacht hatten, daß aber vom ersten hasmonäischen König Aristobul der alte Brauch wieder aufgenommen und nun von Jannai nachgeahmt wurde. Daraus wäre der strenge Eifer des Volkes zu erklären, das diesen Rückfall in den Hellenismus und die Hinneigung zum hellenischen Kultus nicht dulden wollte50). Auf eine Entlehnung aus dem hellenischen Altertum weisen die Mitteilungen bei Plutarch51) hin, den die Riten und Symbole des Festes ganz und gar an ein Bacchusfest erinnerten. Er spricht vom Erscheinen der Festteilnehmer mit Feigen- und Thyrsosstäben im Tempel und von der Feier an dem letzten Tage, wo die Juden den Bacchus nicht mehr mit rätselhaften Symbolen, sondern offen anrufen. Fraglos hat Plutarch vieles, was er von den jüdischen. Festen gehört hatte, durcheinander geworfen, er zeigt auch allzu sehr das Bestreben, den gesamten jüdischen Kultus als dem Bacchus geweiht hinzustellen, und selbst den Sabbat zieht er in die Kategorie der Bacchusfeste. Andererseits aber liegt seiner Beschreibung mancherlei Wahrheit zugrunde, Thyrsosstäbe z. B. nennt auch Josephus52) die Palmsträuße, mit denen die Juden am Hüttenfest im Heiligtum erschienen. Die Feigenstäbe freilich sind dem athenischen Kult entlehnt und im jüdischen nicht nachzuweisen. Man hat auch in neuerer Zeit den Vergleich mit den Eleusynischen Mysterien herangezogen und aus ihnen die Feier des Hüttenfestes zu erklären versucht53). Fraglos liegen gewisse Parallelen vor: die Zeit des Hauptfestes, die Myrthe, die Palme, die Verwendung von Wasser sind beiden gemeinsam, — aber wenn schon an dem letzten Punkt ganz verschiedene Absichten mitsprechen, so ist auch Sinn und Zweck des griechischen Festes ein ganz anderer wie der des jüdischen Hüttenfestes. Daß man versucht, dieses seltsame, aus dem Rahmen des jüdischen Kultus völlig herausfallende Fest des Wasserschöpfens durch fremde Analogien zu erklären, ist wohl begreiflich; auch wer sonst nicht leicht dazu neigt, alle religiösen Vorstellungen und Riten aus der Fremde herzuleiten, wird sich in diesem Falle der Versuchung nicht entziehen können, eine Lösung des Rätsels dort zu nehmen, wo sie sich irgend finden läßt. Man hat wiederholt an den Adonis- Kult im vorderen Asien erinnert und ganz besonders an das Wasser- 39