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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1929-01-01 · 46.1929 · page 36

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
46.1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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IRI
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ist liier?" So ging es die ganze Nacht durch unter heiterer und freudiger Teilnahme des Volkes, wobei der Frohsinn in Ausgelassenheit umschlagen konnte. Gegen Morgen traten die Levitenchöre mit ihren Instrumenten auf die Treppe, die von der Halle der Frauen zur Halle der Israeliten führte und sangen aus den Stufenliedern des Psalters. Sie schlössen ihren Chor mit dem Worte des Liedes: „Es segne dich der Ewige vom Zion, der Schöpfer des Himmels und der Erde"! Die versammelte Menge sang weiter, die Priester aber standen mit ihren Trompeten bereit und warteten auf den ersten Hahnenruf. Dann bliesen sie das Zeichen des Morgens, stiegen die Stufen hinab und schritten unter fortgesetztem Trompetenschall bis zu dem Tempeltore, das nach Osten hinausführte. Dort aber machten sie kehrt und sprachen mit dem Antlitz nach Westen: „Wenn unsere Väter an diesem Orte standen, kehrten sie dem Tempel des Ewigen den Rücken zu, ihr Gesicht aber dem Osten, und sie warfen sich ostwärts nieder vor der Sonne; doch wir, unsere Augen sind auf Gott gerichtet" oder nach einer andern Version „Wir aber sind Gottes, und auf Gott sind unsere Augen gerichtet"15). Es ist das einzige orgiastische Fest, welches das alte Judentum kennt, es fällt mit allen seinen Bräuchen völlig aus dem Rahmen sonstiger jüdischer Religionsübung heraus. Die Riten erscheinen alle seltsam, die uns mitgeteilten Sprüche sowie der alljährlich wiederholte Einspruch gegen den Sonnenkult muten wie Rätsel an. Besondere altertümliche Ausdrucksweisen, die sonst nicht üblich waren, werden in diesem Zusammenhange überliefert*7), und man hat aus ihnen sowie aus den eigentümlichen Sprüchen, die Hillel in den Mund gelegt werden, geschlossen, daß hier an die unio mystica, die Vereinigung des Menschen mit Gott gedacht war. Die Riten des Hüttenfestes wußte man schon im Talmud nicht mehr zu erklären, die Bachweide und das Wasseropfer betrachtete man als uralte Einrichtung, als „Halacha des Moses vom Sinai her"48). Argwöhnisch beobachtete man den diensttuenden Priester, daß er nicht etwa von der Vorschrift abwich. Der König Alexander Jannai erkühnte sich einst, das Wasser nicht auf, sondern unten an den Altar zu gießen, und das versammelte Volk empörte sich gegen ihn, bewarf ihn mit den Ethrogfrüchten, die es in den Händen hielt49). Es liegt nahe, an den Gegensatz zwischen Pharisäern und Sadduzäern zu denken und in dem Verhalten des sadduzäisch gesinnten Königs eine Verhöhnung des Volkes und des ihm heiligen Brauches zu sehen. Man hat daraus den Schluß gezogen, daß das Wasseropfer eine junge Ein- 38

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