Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 46.1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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jedem Falle fand das Fest mit dem vorhin erwähnten Schöpfen des Wassers seinen Abschluß. „Wer nicht das Fest des Wasserschöpfens gesehen hat, hat niemals wahre Festesfreude geschaut", so berichten die alten Quellen. Das Fest fand im vorderen Teil des Tempels statt, in dem großen Hofe, der auch den Frauen zugänglich war. In älterer Zeit kamen infolge des Gedränges und der Ausgelassenheit Ausschreitungen vor, später errichtete man zum Schutze der Frauen Tribünen, von denen aus diese dem Schauspiel zusahen. Goldene Kandelaber waren im Hofe aufgestellt, die je vier Schalen für Öl enthielten, so hoch, daß man mit Leitern hinaufsteigen mußte. Pagen aus den angesehensten Priesterfamilien standen auf dem Posten, um das Öl immer wieder nachzufüllen. So helles Licht strahlten sie aus, daß ganz Jerusalem davon erleuchtet wurde. Bei Flötenspiel begann ein Fackeltanz, an dem die angesehensten Persönlichkeiten Jerusalems teilnahmen, „die Frommen und die Männer der Tat", wie man sie nannte; kunstvolle, sorgfältig eingeübte Schritte wurden vorgeführt; Simon ben Gamliel, eines der Stadthäupter zur Zeit der Kriegserklärung an Rom16), verstand es, mit acht Fackeln in der Hand zu tanzen und sie so zu jonglieren, daß er sie in die Luft schleuderte und wieder auffing, ohne daß eine die andere berührte, ohne daß eine je zur Erde fiel. Er war so gelenkig, daß er, auf den Fußspitzen stehend, sich bis zur Erde neigen, sie mit den Fingern berühren und ohne jede Hilfe sich wieder aufrichten konnte. Von ihm werden zufällig alle diese Virtuosenstücke überliefert, aber es ist anzunehmen, daß er damit nicht allein stand, daß es als nobile officium der angesehenen Kreise galt, sich für die Verherrlichung dieses Festes auszubilden. Harfen und Cymbel». Flöten und Glockenspiele erklangen zu den Tänzen, und die Tanzenden sangen Psalmen oder andere Hymnen. „Selig ist, wer nie gesündigt hat, den Sündern aber werde Vergebung zuteil", erklang es bei den einen; andere wieder sangen: „selig unsere Jugend, die nicht unser Mannesalter beschämt" und wiederum dritte „selig unser Mannesalter, das Sühne bringt für die Vergehen der Jugend". Von dem berühmten Lehrer Hillel wird erzählt, daß auch er an diesen Tänzen teilnahm und die Sätze sang: „Wohin ich es wünsche, dorthin tragen mich meine Füße. Wenn Du in mein Haus kommst, will ich in das Deine kommen; kommst Du aber nicht in mein Haus, so will auch ich nicht in das Deine kommen." „Wenn ich hier bin. ist alles hier, und wenn ich nicht hier bin, wer ist hier?" „Wenn wir hier sind, wer ist hier und wenn wir nicht hier sind, wer 37