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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1929-01-01 · 46.1929 · page 34

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
46.1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273637--2249-2276050
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Riten vollzogen, die tiefste religiöse Gedanken in sich bargen. Die Männer und die Knaben erschienen mit den Feststräußen aus Palmzweig, Myrthe, Weide und der Ethrogfnicht; die Bewohner von Jerusalem legten sie den ganzen Tag nicht aus der Hand, wohin sie sich begaben, begleitete sie dieses festliche Symbol42). An feierlichen Veranstaltungen übertraf dieses Fest alle anderen; wer sie sämtlich mitmachen wollte, konnte kein Auge schließen, weil es von einem Akt zum andern ging, weil Altar und Synagoge mit ihrem Dienst den ganzen Tag und die Nacht in Anspruch nahmen13). Am Morgen ganz früh zog eine Abteilung von Priestern vom Tempel hinunter zum Siloa-Quell, um in einem goldenen Humpen das Wasser zu schöpfen, das auf dem Altar dargebracht werden sollte. Wenn sie zu dem Tempeltor im Südosten, das man das Wassertor nannte, zurückkehrten, stießen sie in die Posaune. Sobald sie den Altar erreichten, trat der diensttuende Priester auf sie zu; das Morgenopfer war bereits beendet, und er brachte nun das Trankopfer dar, das sonst aus Wein bestand, am Hüttenfest aber wurden gleichzeitig Wasser und Wein auf den Altar geschüttet — ein walirscheinlich uralter Brauch, dessen Durchführung aufs strengste gefordert wurde. Zur gleichen Zeit war ein anderer Trupp nach Moza gezogen, einer römischen Kolonie im Nordwesten von Jerusalem, die noch heute bei den Arabern Kalonija heißt, um von dort Weidenruten zu holen, die von den Priestern an den Seiten des Altars so aufgesteckt wurden, daß ihre Spitzen über den Altar hinunterhingen. Auch hier wurde in die Posaune gestoßen, und nach dem Wasseropfer fand ein festlicher Umzug um den Altar statt, wo man das Hosianna „Ach Ewiger, hilf doch, ach Ewiger hilf doch'' immer wieder als Litanei sang und mit einer Verherrlichung des Altars schloß. Am siebenten Tage aber fand diese Prozession siebenmal statt, siebenmal wurde das Hosianna gesungen, und noch heute heißt der Tag in der Synagoge „das große Hosianna". Auch volkstümliche Szenen schlössen sich daran, Palmwedel wurden aufgelesen, man schlug damit den Boden an den Seiten des Altars, und die Knaben betrachteten dies als Zeichen, daß sie ihre Palmzweige lösten und ihre Ethrogfrüchte verspeisten44). Das fröhlichste Fest aber fand des Nachts statt; es ist das Fest, das wir „Simchat bet haschoewa" oder nach einer vielleicht richtigeren Lesart „Simchat bet hascheuwa" nennen, und mit „Fest des Wasserschöpfens" wiedergeben, ohne daß die Gelehrten über die Aussprache oder die genaue Bedeutung des Wortes einig wären45). In 36

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