Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 46.1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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Das Wochenfest wurde am fünfzigsten Tage nach der Darbringung des Omer gefeiert. Der Streit zwischen Pharisäern und Sadduzäern über den Tag des Omer und dementsprechend über die Feier des Pfingstfestes33) scheint nur theoretische Bedeutung gehabt zu haben, wenigstens berichten die Quellen nirgends etwas anderes, als daß das Omer am 16. Nisan und danach das Wochenfest am 6. Siwan stattfand. Im Christentum wurden später beide Feste auf den Sonntag verlegt, aber das hängt sicher mit der Verehrung des Sonntags als Auf erstehungstag und nicht mit der alten sadduzäischen Anschauung zusammen34). Wie dem auch sei, die Wiederkehr des Festes wenige Wochen nach dem Passah und mitten in der Erntezeit war dem Besuch Jerusalems wahrscheinlich abträglich. Nichtsdestoweniger erzählt die Apostelgeschichte35), daß der Ausschüttung des Heiligen Geistes am Pf ingstf est beiwohnten: Parther, Meder, Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa, Kappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und Kyrene, sowie Ausländer aus Rom, Kreter und Araber — ein buntes Gemisch von Menschen, die teils ständig in Jerusalem ihren Wohnsitz, zum großen Teil aber die Reise von auswärts nicht gescheut hatten. Das Fest ist das Fest der Getreideernte, zwei Brote vom neuen Getreide werden als Erstlinge dargebracht, um, wie Philo36) schreibt, zu danken für idie Vergangenheit, in der wir von den Plagen des Mangels und des Hungers verschont blieben und uns behaglichen Wohlstands erfreuten, und für die Zukunft, weil wir mit den nötigen Vorräten und Mitteln für sie versehen sind und voll schönster Hoffnungen mit Gottes Gaben schalten. An diesem Feste aber begann man außerdem mit der Darbringung der Erstlinge überhaupt, derer vom Getreide sowie von der Frucht des Baumes. Die kurze Schilderung der Mischna Bikkurim37), die schon oben erwähnt wurde, führt uns mitten in die Feierlichkeit und in die Freude hinein. Der Eigentümer ging auf sein Feld oder in seinen Garten und sah sich danach um, welche Früchte zu reifen begonnen hatten. Diese versah er mit besonderen Zeichen und bestimmte sie als Erstlingsgabe für den Priester, zur gegebenen Zeit vermehrte man sie auch um andere Früchte. Wer konnte, bemühte sich, je einen Korb mit einer der sieben im Deuteronomium VIII 8 genannten Fruchtarten Palästinas „Weizen, Gerste, Trauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Dattelpalmen" zu füllen und alle sieben nach dem Tempel zu führen. Wer nicht so reichen Ertrag hatte, vereinigte Früchte verschiedener 3U