Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1929-01-01 · 46.1929 · page 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
46.1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2273546-2273637--2246-2276047
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zeremoniell, das die Mischna uns beschreibt und das sich, so man vom Opfer absieht, in seinen Grundzügen bis auf den heutigen Tag in den jüdischen Häusern erhalten hat. Gegen Abend30) kam die Familie zum festlichen und fröhlichen Mahle zusammen, das selbst dem Ärmsten, sei es auch mit Hilfe der Armenkasse, ermöglicht wurde. Beim ersten Becher Weines wurde der Segen gesprochen, in dem man Gott für die Gabe des Weinstocks und für die Weihe des Tages dankte. Dann trug man die übliche Vorspeise auf, brachte ungesäuertes Brot, Bitterkraut und Essigmuß sowie das gebratene Passahlamm auf den Tisch. Bei einem zweiten Becher Wein belehrte der Vater sein staunendes Kind über Anlaß und Sinn all dieser seltsamen Bräuche. Je nach dem Verständnis des Kindes vertiefte der Vater die Belehrung, er begann mit der Zeit, wo Israels Vorväter den Götzen dienten, und ging zu den Tagen über, wo sie nach Ägypten geführt und von dort erlöst wurden. Rabban Gamliel, der Lehrer des Apostel Paulus, schrieb vor, an diesem Abend von den drei Symbolen, dem Passahlamm, dem ungesäuerten Brot und dem Bitterkraut zu reden und ihre Bedeutung zu erläutern. Das Fest aber ist nicht nur als geschichtliche Erinnerung, sondern als gegenwärtiges Erlebnis zu feiern, „jedermann ist verpflichtet, sich so zu betrachten, als wäre er selbst aus Ägypten gezogen". Und darum schuldet jedes Geschlecht Gott Dank, Lob und Preis dafür, „daß er für unsere Väter und für uns all diese Wunder getan hat, uns von Knechtschaft zu Freiheit, von Kummer zu Freude, von Trauer zu Festesfeier, von Dunkelheit zu großem Licht, von Dienstbarkeit zur Erlösung geführt hat". Daran wurde das Halleluja, das heißt wiederum der n3. und n4- Psalm, mit dem Dank für den Auszug aus Ägypten angeschlossen. Ein dritter Becher wurde eingeschenkt und das Tischgebet angestimmt und dann ein vierter, Tor dessen Trinken man die Hallelpsalmen und einen Hymnus zum Abschluß sang. Um Mitternacht war in der Regel das Mahl zu Ende, unmittelbar darauf pflegten, wie Josephus gelegentlich berichtet31), die Priester die Tore des Tempels zu öffnen, und die Menge strömte dorthin, um dem Dienst der Priester und Leviten zu folgen, in Gebeten und Gesängen den festlichen Tag zu verbringen. Am zweiten Tage des Festes wurde das Omer dargebracht, eine Abgabe von der neuen Ernte, „die bis dahin niemand berührt hatte; um Gott als den Spender aller Gaben zuerst damit zu ehren, worden ihm die Erstlinge der Gerste dargebracht"32). Und erst von da ab war es gestattet, von der neuen Ernte zu zehren. ■3 33

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.