Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 46.1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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Leben zusammen. Auch alle Priester, Tausende an Zahl, wo immer sie sonst wohnen mochten, waren zum Dienst erschienen; während das Jahr hindurch nur eine Abteilungin jeder Woche fungierte, vereinigten sich zu den Wallfahrtsfesten Priester und Leviten aus dem ganzen Reiche im Heiligtum, um den zahlreichen Anforderungen zu genügen. Neben den Opfern der Gemeinde und den Wallfahrtsopfern kamen unzählige Privatopfer auf den Altar, Sünden- und. Freudenopfer. Der Hohepriester erschien in seinen Prachtgewändern; der römische Landpfleger, der sie sonst in der Burg Antonia unter Verschluß hielt, gab sie sieben Tage vor dem Feste heraus20). Den ganzen Tag nahmen die Zeremonien in Anspruch; Opfer im Tempel, Gebete in der Synagoge, Volksfeste gingen ineinander über21), ein einziges festliches und fröhliches Gepränge. Der größte Andrang der Pilger war am Passahfeste zu verzeichnen, im Frühjahr, wo die Natur sich verjüngt, wo die Flur Palästinas einem von der Sonne vergoldeten Blumenteppich gleicht, wo, um das schöne Bild der Bergpredigt22) zu brauchen, Gott die Lilien auf dem Felde also kleidet, daß Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht, bekleidet gewesen ist als derselben eine. „Wer von den Wundern, hört, die in Aegypten geschehen sind, ist verpflichtet, Lobgesänge anzustimmen", so schreibt der alte Midrasch23). Der Auszug aus Mizraim ist das Wunder der Wunder; die Erinnerung daran, daß die Väter einst von Sklaven des Pharao zu Knechten Gottes geworden waren, erhob alle Herzen und erwirkte, daß gerade zum Befreiungsfeste besonders zahlreiche Scharen nach der Heiligen. Stadt pilgerten. Die Behörden ließen die Landstraßen ausbessern, mn den Marsch zu erleichtern, ließen Tempel und Altar ausbessern, damit sie frisch glänzten. In Jerusalem erklärte man, nach einer feinen Bemerkung Israel Lewys24), den Unterschied zwischen „Ghawerim", den Mitgliedern der religiösen Genossenschaften, die streng nach den Gesetzen levitischer Reinheit lebten, und „Amme Haarez", den Unkundigen aus dem Volke, die diese Gesetze weniger beachteten und darum in dieser Beziehung für unzuverlässig galten, während der Festzeit für aufgehoben. Jerusalem, sagte man, vereinige ganz Israel zu Genossen, „Kol Jisrael Chawerim". Die Stadt war auf das Eintreffen einer großen Fremdenschar eingerichtet, die Familien nahmen ihre Bekannten gastfrei auf, niemals sprach jemand, „mir ist der Raum zu eng, ich finde in Jerusalem kein Nachtquartier", das war allgemeine Überzeugung und galt als eines der 3t