Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 46.1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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Fülle, der am Morgen seinen Bund entbot, zu dem des Nachts das, Lied hinströmte, das Gebet zum lebendigen Gott. Je weiter man zog> desto mehr wuchsen die Scharen, desto freudiger und erregter wurde die Stimmung. Von den Höhen ringsherum blickte man auf die Heilige Stadt, und hochgemut sang man das Wort des Glaubens: „Wie Jerusalem rings von Bergen umschlossen ist, so ist der Ewige ein Schutzwall um sein Volk von nun an bis in Ewigkeit." Mit diesem Sang betrat die Pilgerschar Zions stolze Feste. Im Weichbilde Jerusalems stimmte man die Fortsetzung jenes Psalms an: „Unsre Füße stehen in deinen Toren, Jerusalem. Jerusalem ist gebaut, daß es eine Stadt sei, da man zusammenkommen soll, da die Stämme hinausgehen, die Stämme des Herrn, zu danken im Namen des Ewigen. Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohl gehen denen, die sich lieben! Friede sei in deinen Mauern. Heil in deinen Palästen!" Und wie zur Erwiderung standen die Vertreter der Stadt Jerusalem da und entboten den fremden Pilgern ihren Willkommensgruß. Wer vom ölberg, wahrscheinlich überhaupt wer aus nördlicher Richtung kam, überblickte schon aus der Ferne von der Höhe den Tempel, die andern Pilger mußten warten, bis sie durch eines der Tore die Stadt betreten hatten. Ein märchenhafter Anblick bot sich ihnen. So großartig die Phantasie sich auch die Pracht des Tempels ausgemalt hatte, die Wirklichkeit übertraf die kühnsten Erwartungen- „Wer nicht den Tempel geschaut hat in seinem ,Gebäu\ so sast die alte Ueberlieferung17), hat niemals einen herrlichen Bau gesehen''. Das auf dem Tempelberg hochansteigende Gebäude mit den zahlreichen Säulen hielt den Beschauer gefangen. „Der äußere Anblick des Tempels, schreibt Josephus18), bot alles dar, was Auge und Herz entzücken konnte. Auf allen Seiten mit schweren goldenen Platten bekleidet, schimmerte er bei Sonnenaufgang im hellsten Feuerglanz und blendete das Auge gleich den Strahlen des Tagesgestirns. Fremden, die nach Jerusalem pilgerten, erschien er von fern wie ein schneebedeckter Hügel, denn wo er nicht vergoldet war, leuchtete sein Marmor in blendender Weiße". Und dieser Tempel, dem man sich nun näherte, war ein Tempel des Volkes, nicht der Priester; er wurde aus den Steuern der Gesamtheit erhaltenr und selbst im Dienst standen die Priester nicht allein, sondern am täglichen Opfer nahmen, um die Idee des Gemeindeopfers zu versinnbildlichen, regelmäßig Vertreter des Volkes teil19). In ihm nun fand sich zur Festeszeit die ungeheure Menge mit ihrem brausenden 30