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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1929-01-01 · 46.1929 · page 27

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
46.1929
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273637--2242-2276043
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Enden der Erde, Iiier hörte man von ihrem Hoffen und Sehnen, von Glück und Not, von Glaube und Erwartung, von Plan und Vollendung. Wie lange vorher mag man zur Reise gerüstet haben, wieviel freudige Spannung, wieviel heilige Gedanken, erhabene Erinnerungen wogten in der Zeit der Vorbereitung! Wieviel mögen ältere Familienmitglieder oder Nachbarn von früheren Pilgerfahrten, von ihren Begegnungen mit den Größen des Volkes, mit den Glaubensbrüdern aus weiten Fernen erzählt, wieviel erhabene Erinnerungen mögen sie aufgefrischt, wie stark die Phantasie beflügelt, das Pochen des Herzens beschleunigt haben! Wenn man sich auf den Weg machte, traf man schon vor den Toren der Stadt die Gleichgesinnten, die clesselbigen Weges zogen. Aus den sehr unvollständigen Mitteilungen der alten rabbinischen Quellen erfahren wir darüber nur wenig, aber wir wissen, daß, wenn die Erstlingsfrüchte nach Jerusalem gebracht wurden, der Zug organisiert war, daß die einzelnen Bewohner der Städte und Dörfer im Hauptort des Bezirks sich versammelten und unter Führung gemeinsam sich auf den W eg machten14). Für die Wallfahrt zu den großen Festen war der Kreis der Interessenten noch weit größer, da sich auch die Diaspora beteiligte und namentlich von Norden und Osten her zahlreiche Pilger eintrafen. Aus der Zeit Jesu berichtet Philo15): „Denn Zehntausende strömen von Zehntausenden von Städten zu Lande und zu Wasser, von Ost und West und Nord und Süd bei jedem Fest ins Heiligtum wie zu einer gemeinsamen Einfahrt und zu einem sicheren Hafen des vielgeschäftigen und wirren Lebens. Sie suchen Aufheiterung zu finden und von den Sorgen, von denen sie von früher Jugend an gebunden und bedrückt werden, befreit, eine Weile aufzuatmen und in heiterem Frohsinn zu verweilen; und von lieblichen Hoffnungen erfüllt, ergeben sie sich der so notwendigen Ruhe." Auf den Ruf des Gauleiters „Auf, laßt uns nach Zion wallen zum Ewigen unserm Gott" setzte sich der Zug in Bewegung. Auf dem Wege, so erzählt der Talmud16), sang man den 122. Psalm „Wie freue ich mich, wenn man zu mir spricht, lasset uns in das Haus des Ewigen ziehenT! Es ist nicht anzunehmen, daß ein so sangesfreudiges und so glaubensstarkes Volk wie das jüdische sich mit diesem einen Liede begnügt hat; wie noch heute bei Pilgerfahrten, war wahrscheinlich der ganze Weg mit Liedern ausgefüllt, man huldigte und dankte dem Ewigen, dessen die Erde war und ihre 29

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