Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 45.1928
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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Betrachten wir in dieser Wei.se etwa den erwähnten Zusammenhang von Teil und Teilen, so konnte etwa ein „ich sehe teilen, brechen, zerschlagen, zerstückeln, zersplittern" immer nur als „ich sehe die mehreren Teile, Scherben, Späne, Stücke, Splitter" verstanden werden, die man sah. Denn wo es nur ein Stück, einen Teil gibt, ist eben kein Teilen zu sehen. Die Gelenke, die G(c)licder leiten, lenken den Körper; man sah ein Wallen — so sah man eben viele Wellen, sah flechten, so wurden es viele Flechten, sah flattern, fliegen, es war nicht ein Flügel, eine Feder, eine Fliege, sondern Fliegen, Federn, Flügel, man sah fließen, tropfen, es waren Flossen, Tropfen, nicht eine Flosse, ein Tropfen, sah fischen d.h. die Fische, die gefangen wurden, sah jemand treten, schreiten, stapfen, stampfen, spüren, d.h. man sah die Tritte, Schritte, Stapfen, Staffeln, Stufen, Spuren usw., ein Zeichnen die Zeichen usw. Man hörte etwas lauten, hallen, tönen, rauschen, es waren Laute, Halle, Töne, Geräusche in Mehrzahl. Man bemerkte ein Verderben sfrsCpsiv im Pelzwerk, es waren Läuse, nicht eine einzelne Laus o<tetp usw. usw. Die Brücke zwischen konkretem Nomen und V e r - bunt führt über den Plural. Die Singulare sind begrifflich jüngere Einzclworte, nomina unitatis dazu. Der Plural ist darum auch die Brücke, die vom Konkretum zum Abstraktuin führt. Die Form des Abstraktums ist in Wörtern wie familia, Gesellschaft, Gesinde, Geflügel, Gelier, Geäst, Gezweig, Geranke kollektiv wie der Plural famuli Knechte, Vögel, Äste, Zweige, Ranltcn, nicht darum, weil die Sprache philosophierend in einem abstrakten Gesamtbegriff eine Mehrheit zusammenfassen will, sondern weil die Sache an sich eine Mehrheit darstellt. Da dem Herrn gewöhnlich mehrere folgten, mehrere gesendet wurden, auszogen, bezeichnen Gefolge, Gesinde, Zug, mehrere Leute; ein sich Ranken, Verzweigen, Verästeln ist ein Geranke, Gezweige, Geäst, und dasselbe bedeutete auch Ranken, Zweige, Äste. Aber diese Worte wurden als.Plural verstanden, und zu ihnen entstanden Einzclworte für Ranke, Zweig, Ast, obgleich die einzelne Ranke kein Ranken, ein Zweigkein Verzweigen darstellt. Und nur erst von diesem neuen Singular Ranke, Zweig, Ast aus scheint es uns, als ob Geäst, Gezweig, Geranke Kollektivbegriffe, Ranken, Zweige, Äste Plurale wären. Daß die Bedeutungsentwicklung über den Plural führt, ist überall dort klar beweisbar, wo der Name eines Dinges eine Eigen- 42