Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 45.1928
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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Mehrheit. Der Plural war da, ehe und ohne daß es einen eigenen Singular gab. Denn zunächst bezeicluictc diese Pluralform — wie später nur in den Eigennamen und in der Dichtersprache — auch die einzeln vorkommenden Gegenstände: Das pluralisch-dualische semitische pünlm, uppaim (o*»jb .d^bk) „vorn** das Vorn des Menschenkörpers, sein Antlitz, sohoraitn (O'onx) „oben" den Zenith, rischän, zi houbitum das Oben, den Kopf, gabbaim {V>2X) „oben" den Hucken, «dekadisch libbe, hehr, me'aim (CTjra) das Innen des Leibes. Aber bald beginnt die Analogie der Pluralljcdeutung eine gewaltigetimdeutende Wirkung zu Oben. Ein Wort für Gewölk, Schwärm» Gewimmel, Gcrnnkc, Wald. Gesinde hatte z. B. dieselbe Form wie die „Plurale" Heine, Hände, Füße; nun so war es eben auch ein Plural für die Wolken, liienen, Fische, Hanken, Hiiame, Knechte. Gleichzeitig entstanden durch rein physiologischen Lautwandel neue jüngere Wort formen, die diese Entwicklung zum Plural noch nicht durchgemacht hallen. Von diesen jüngeren, abgeschliffeneren Formen aus entwickelte sich eine Analogiereihe singularischer Wörter,. ' die mit dem Plural in ein festes System traten: Wo es nur Plural gab, ward ein Singular, wo nur Singular, wurde ein Plural hinzugestclll. Die allen „pluralischen" Formen aber wurden immer ausgesprochener als wirkliche Plurale umgedeutet. Nicht die Wage, sondern die beiden Wagebalken, nicht die Türe, sondern ihre beiden Flüijel, nicht das Gespann, sondern die Pferde, nicht das tlintericil, sondern die Hüften, Inenden, nicht avrf, das Gegenüber, sondern „die Enden" usw. Man begreift aber, daß diese Umdeutung nicht überall möglich war: Stoffnamen wie Feuerr Wasser, Körpertcilnamen wie Kopf, Anllilc, vor allem aber Abstrakta wie Klugheit, Güte, Mitleid, und gar Adverbin wie oben, unten, auf, ab, vor, nach bestehen nicht aus mehreren gleichen Einzeldingen, weder waren sie selbst Plurale, noch gab es zu ihnen einen Singular. Darum behielten diese Wörter ihren alten, nicht zum Plural umgedeuteten Inhalt. Ebenso konnten die zu Eigennamen gewordenen Worte nicht geteilt werden: hebr. Mahanaim (D,3riQ) Lager, Kerijot, Klrjataim (nmj? «S'nnj?) „die Stadt" war und blieb ein Ort, Naharaim „Strömen, Fließen" (vgl. Vlissingen) ein Fluß(gebiet), deutsch Baden ein Badeort, mochte man mit ihrer Namensform sonst die pluralische Bedeutung Städte, Flüsse usw. verbinden. Es ist somit nicht richtig, daß, was bisher eine Grundtatsache 1*0