Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 45.1928
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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sprünglich ganz gewiß nichts mit dem .Mehrheilsbegriff oder etwas «lern ähnlichen zu tun hatten und dennoch in bestimmten Mundarten zum speziellen Ausdruck des Plurals geworden sind. Freilich hat er weder den Umfang noch auch den psychologischen Weg dieser Entwicklung gesehen. Er beruft sich zum Vorgleich — gewiß mit Hecht — auf die gebrochenen Plurale des Arabischen*), die ja auch die Form von Singularen haben, und meint, diese Singulare seien als Abstraklbildungen gebraucht und so zu Kollektiv-Phtralen geworden. Aber eben «las wäre erst zu erklären, wie an Stelle konkreter Einzelbedeutung wie: ein Kind, ein Pferd, ein Blatt eine Abstraktion und daraus die Kollektivbedeulung Herde, Stall, Ijiub, bzw. weiter die wieder konkrete Mehrzahl Kinder, Pferde, lilälier hätte treten sollen. Freilich ist es Tatsache, daß die Form der Einzahl vielfach auch für eine Mehrheit gebraucht "wird: Auch wir sagen 50 Mann, 30 Stück, jeder Mimn statt Männer, Stücke, und z. Ii. im Semitischen muß in solchen Fällen die Einzahl stehen. Iiier hat die Einzahl „Mann, Stück" die Bedeutung der Mehrzahl. Aber ist diese Mehrheilsbedcutung aus der der Einzahl hervorgegangen? Nun, schon das Beispiel der Zahlwörter zeigt, daß dies nicht der Fall sein kann. Die Zahlwörter vier, fünf, sechs, sieben bezeichnen gewiß Mehrheiten, haben aber im Semitischen w ie im Indogermanischen die Form der Einzahl. Wer wollte deshalb behaupten, daß vier, fünf, sechs ursprünglich eins bedeutet hatten und erst kollcktivischer Gebrauch ihnen die Mehrheitsbedeutung gegeben hätte? In ein, es zeigt sich vielmehr, daß, ganz so wie in den Plurulia lautum die Form der Mehrzahl ohne Mehrzahlbedeutung von vornherein auch bei Einzclbedeutung stehenkann, ganz so auch dio Form der Einzahl ohne Einzahlbcdcutung bei Mehrhcitsausdrücken stehen kann. Und wirklich hätte bloße zusammenschauendc Betrachtung den allgemein bekannten Tatsachen den umfassenden Umfang und die Richtung der Pluralentwicklung bereits absehen müssen. Bereits oben war davon die Rede, daß im Semitischen wie im Indogermanischen übereinstimmend der Plural üür die Einzahl gebraucht *) So bezeichnet man bekanntlich in der arabischen Grammatik die Erscheinung, daß von zwei in ihrer Vokalisation verschiedenen Lautformen eines Wortes ' wie qutül (oder aqtul) neben qatl die eine für den Plural, die» andero für den Singular verwendet wird. 36