Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 45.1928
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
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Begriff beimißt; sie logt „zunächst noch keinen Werl (!) auf eine deutliche formelle Scheidung des Einzelnen und der .Monge, sondern begnügt sich damit, diese je nach den Umständen in eine der allen Wcrtklassen einzureihen" (Brockehnann), weshalb z. B. im Arabischen auch die „Femininendung" als Plural/eichen erscheint. Diese Erklärung ist ebenso nichtssagend wie falsch. Sie i>l falsch, weil die Tatsachen die Annahme nicht gestalten, als habe, irgendeine Plural- oder Singularform, weiblich oder männlich, ursprünglich einen Mehr- oder Minderwert zum Ausdruck gebracht. Dieselbe semitische Endung, die z. Ii. als sogenannte Femininendung das Einzelworl, iioinon uuitalis, also anscheinend denMinderwcrl bezeichnet, ist auch, wie das Zahlwort zeigl, aller Ausdruck des Plurals, also des angeblichen Mehrwerts. Derselbe angeblich mehrwertige Plural Männer, hehr. D^EttS, muß in gewissen Fallen durch den Minderwerlsausdnick im Singular ersetzt werden D,wan fünfzig Mann. Die Erklärung ist ferner falsch, weil sie zu unrecht symbolisiert. Der größere Affeklionswerl eines Wortes verstärkt, wie oben, an Beispielen gezeigt wurde, eben immer nur den Wortbegriff selbst, nicht irgendeine grammalische Beziehung des Wortes. Endlich ist die Erklärung nichtssagend, weil sie nicht erklärt, wie es kommt, daß diese verschwommene W e r l oinleihmg in der großen Zahl der Fälle dennoch klar u n d a u s s c h 1 i e ß lieh den P 1 u r a l als Plural, die Einzahl als Einzahl kennzeichnet. Vor allem aber ist die E i n s t e 11 u n g dieser ganzen bisher betrachteten Erklärungsweisc zur Sprache von vornherein unrichtig. Sie schaut die Erscheinungen der Sprache in einer Fläche und sucht die verschiedenen, widersprechenden Bedeutungen der sogenannten Pluralformen auf einen Nenner zu bringen, sie rein logisch unter einen Begriff zu subsumieren. (— Der muß dann, um die Gegensätze zu vereinen, so farblos und nichtssagend werden, daß die einzelnen, bestimmten Bedeutungen daraus nicht zu erklären sind. —) Indes sind die sprachlichen Erscheinungen nicht aus ihrem jeweiligen Gesamtzustand, sondern allein aus der Geschichte ihres Werdens, und nicht logisch verallgemeinernd, sondern psychologisch zu erklären. Daß die Mehrheitsbedeutung sogenannter Plurale etwas Gewordenes sein kann, hat bekanntlich besonders Johannes Schmidt 1889 an den Pluralen der indogermanischen Neutra gezeigt. Er führt u. a. selbst solche Endungen an, die, wie z. B. die deutsche Nachsilbe lieh, oder das zum Wort gehörige er(ir in Kalbir, Kälber), ur- 3* 35