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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1928-01-01 · 45.1928 · page 31

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
45.1928
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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kommt. Nicht im Indogermanischen und nicht im Semitischen, wo die gewöhnlich dafür angeführten Beispiele sich nicht nur durch die Doppelung vom Singular unterscheiden, ja seihst nicht etwa im Sumerischen, wo z. B. gal-gal-la für gal „groß" ebenso gut Einzahl wie Mehrzahl sein kann. Und wieder ist auch das eigentlich selbstverständlich. Die Doppelung der Sprache ist kein bildhaftes, gleichzeitiges Nebeneinander, sondern Wiederholung im Nacheinander. Wir sagen im Affekt: Wehe, wehe!, Krieg, Krieg! Caesar, Caesar! langsam, langsam! Erde, Knie, Erde, höre Gottes Wort! —• um das einmal Gesagte nochmals und abermals zu sagen, damit es sicherer gehört und sicherer verstanden werde. Dio Bedingungen des Sprachvorgangs schließen es vollkommen aus, daß etwa „mein Gott, mein Gott" als „meine Götter", — „Vater, Vater" als „zwei Väter", „komm, komm!" als ,J<ommet" verstanden werden könnte. Die Doppelung ist kein adäquater, primitiver Ausdruck der Mehrheit.- i . 1 Das Ergebnis ist: Die in der Sprache verwendeten Ausdrucksmöglichkcitcn des Plurals sind nirgends von vornherein zu verstellende, adäquate und darum ursprüngliche Bezeichnungen der Mehrheit. Sie können zum Pluralausdruck nur erst geworden sein. Man kann sie nicht erklären, wenn es nicht gelingt, den Tatsachen die Geschichte ihres Werdens abzulernen. Was sind die Tatsachen? Was bezeichnet die Sprache als Mehrzahl? Die Betrachtung dos Materials in den verschiedensten Sprachen und Sprachgruppen lehrt, daß überall nicht nur die wirkliche Mehrheit allein, sondern auch rein singularische Begriffe die Formen der Molirzahl aufweisen: Im Semitischen wie im Indogermanischen — in ganz analoger Übereinstimmung — kennzeichnet der Plural z. B. auch einfache Körperteilnamcn wie Kopf (semitisch rischän, deutsch zi houbilum), Schlund (fauces), Hals, Nacken (cervices, vöixa),Brust (gotisch brusts), Herz usw. Stoffnamen wie Wasser (semitisch; indogermanisch viztpa Waschwasscr), Feuer, Blut, Fleisch (akkad. schere), Asche (cineres), Schaum (spumae), Rauch (xdzvoi) Schnee (nives), Fett, Schmutz, Rest (reliquiae); R au Inbegriffe wie Rechts (xd Zify.a), Umgebung (semitisch; les environs), Norden (septemtrionalia), Jenseits, Tiefe, Ferne, Fläche, Seite, Hinterhalt (insidiae), Lager (castra), Grab (tdtpot), Wiege (cunae, cunabula), Haus (aedes, äwfaia); Zeitbegriffe wie Mor- 5 33

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