Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 45.1928
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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Am bekanntesten ist uns der Mehrzahlausdruck durch die Endung: (der Berg,) die Bery-v. Wir haben die Empfindung, und der Laie mag es wirklich glauben, daß die Bedeutung der Mehrheit in dieser Endung steckt. Ist das ursprünglich, so müßte die Endung aus einem Wort für viel, mehr hervorgegangen sein. In ~ Wirklichkeit ist es aber ganz ausgeschlossen, all die verschiedensten ~ kleinsten Endungen, die neben der Mehrzahl auch noch männlich oder weiblich, Nominativ oder Genetiv usw. bezeichnen, als Zusammensetzungen von Wörtern für viel, — nebst solchen für Geschlecht und Kasus aufzufassen. Der Wahrheit naher scheint auf den ersten Mick eine andere Annahme zu kommen. In vielen Fallen sind die Pluralformen voller als die Einzahl: Ber(je zu Bery, monles zu tnona, hebr. aböt „Väter" zu «6 „Vater", arab. qätilüna zu qätilun, und so könnte die Pluralform durch die Erweiterung an sich oder durch den stärkeren Nachdruck, der sie bewirkt, symbolisch das Mehr an Zahl zum Ausdruck bringen. Aber auch dieser Erklärungsversuch ist unrichtig: Nicht nur ist die Pluralform in vielen alten Formengruppen nicht voller, sondern eher noch kürzer als die Einzahl — (wie arab. qatl, qill usw. zum Einzelwort qallat, qillat usw.) sondern vor allem ist diese Deutung, wie jede symbolistische Deutung der Sprache, psychologisch falsch. Man mache sich nur klar, wie wirklich die Bedeutung eines Wortes verändert wird, wenn es voller, stärker, nachdrücklicher gesprochen wird, etwa statt Tisch: Tisch, statt blau: bläu, statt geh! gehl Nur der im Wort liegende Begriff wird dadurch nachdrücklich hervorgehoben. Tisch und nichts anderes, zweifellos blau, geh bestimmt! (wie z. B. die geschärfte Aussprache des hebr. Inlensivstamms seine fntensivbedeutung erklären kann). Aber selbst die nachdrücklichste, vollste Aussprache von Tisch, blau, gehl oder welchem Wort immer könnte niemals als mehrere Tische, mehrere blaue, geht mehrere! verslanden werden. Die Symbolisierimg durch stärkeren Druck ist somit kein natürlicher, von vornherein verständlicher Ausdruck der Mehrzahl. Als ein solches primitives Mittel zur sprachlichen Bezeichnung einer Mehrheit gilt ferner die Doppelung, die Doppeltsetzung des Wortes oder eines Teiles desselben (Reduplikation). Die Wiederholung des Wortes soll auf natürliche Weise die Mehrheit des Bezeichneten andeuten. Auch dies ist unrichtig. Zunächst lehrt der Tatbestand, daß die Doppelung als Pluralausdruck nicht in Betracht 32