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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1928-01-01 · 45.1928 · page 27

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
45.1928
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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IRI
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Die Untersuchung solcher Konkrela lehrt aber immer wieder, daß die Namen der Gegenstände ursprünglich nur eines ihrer Merkmale bezeichnen. Namen für Konkreta wie Gesicht, Gelenk, After, Gekröse sagen nur „Selten, lenken, öfter — hinten, kraus", Platte, Spitze nur „platt, spitz", Obst nur oben, Krähe nur krähen, Hahn zu innere nur schreien, Floli nur fliehen, Iliigel nur hoch. Raum nur geraum, geräumig, Gemach nur gemach, Impiem usw. Und /.war liegt die Sache nicht so, dali die Gegenstände nach einem ihrer Merkmale b e n a n n t worden wären — es stellt nicht bewußte Henennungstätigkeit am Heginn der Sprache. Die Wurzel jedes Bedeutungswandels und auch jeder Bcdcutungse n ts l e h u n g in der Sprache ist vielmehr das Mißverständnis des Gesprochenen durch den Hörenden. Der Irrtum ist das fruchtbare Prinzip der Sprache. Der Sprechende sagt: Da platt, da spitz, da krähen, da /liehen, da oben, da hinten, afler, hoch und der Hörende versteht: Die Platte, die Spitze, die Krähe, der Floh, das Obst, der After, der Iliigel. Vor allem Konkreten stehen also einfache Merkmalbezeichnungen: oben, hinten, platt, spitz, usw. Solche Merkmalbozeichnungen für platt, spitz, oben, unten, vor, nuch usw., die selbst noch nach keinem Formschema entstanden sind, die nicht männlich und nicht weiblich, weder Kinzahl noch Mehrzahl sind, gibt es ■auch heule noch in jeder Sprache man nennt sie sehr, sehr -schief Adverbia im zahllose lleispielc unter ihnen sind wirklich alte I rwörter, die vor aller grammatischer Kegel entstanden sind. Auch heule sehen wir wie diese Adverbia z. 1$. zu Substantiven werden: Das Ach, das Weh. das Durcheinander, das Um und Auf, er kennt, kein Genug, das Wie, das Wenn, das Alter, <las Gestern, das Morgen, den Garaus machen usw. usw. Man versteht, daß diese Merkmalwörter aber nicht nur als Substantive mißverstanden werden mußten, sondern auch als Verba. Man sagte: Da vorn und wies auf das Vorn des Leibes und der andere verstand: das Gesicht; man sagte aber auch: da vor, vorn, fort und wies auf den (die) sich Forlbewegenden und verstand: da fährt er, da fuhren sie; aus „das hinter! das vorder! wird: das hindere! das fördere!" und so fort*). ") Es gibt in der entstandenen Sprache keine etymologische V er w a ad t - schalt, es gibt nur clvmologi.schß Idontitiit. Hinter und hindern sind dasselbe Wort, mag ihre Endung noch so verschieden sein. Ihre verschiedene Bedeutung als Adverb und Vcrbuui sind diö Folge ihrer verschiedenen Anwendung, ihre lautliche Verschiedenheit die Folge ihrer getrennten Lautgcschichtc. 29

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