Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 45.1928
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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gedachter Existenz, ein Prokrustesbett, in das die wirkliche Entwicklung eingezwängt werden soll. Die Sprachwissenschaft begreift das Werden der Sprache nicht. Aber weil sie immer noch logisch statt historisch eingestellt ist, operiert sie mit den grammatischen Kategorien so, als ob diese überhaupt nicht erst geworden, sondern von vornherein feststehende. Tatsachen waren. Die entwickelte Sprache bezeichnet heute das Geschehen und Sein mit der eigenen Kategorie des Aussageworles, falsch Zeit- oder Talworts, das Ding mit dem Hauptwort, die Eigenschaft mit dem Eigenschaftswort. Ks ist aber klar, daß. als der Mensch zu sprechen begann, diese Kategorien noch nicht vorhanden waren, daß die ältesten Heispiele älter sein müssen, als diu an und aus ihnen entwickelte Hegel, dalS die Sprachforschung sorgfältig auf solche Heispielo'zu achtem hat, die sich nicht erst aus der Hegel erklären lassen. Sie können älter als die Kategorie, v o r aller Hegel entstanden sein und lehren, wie an ihnen die Kategorie, die Hegel sich entwickelte. Was aber tut die Sprachwissenschaft? Sie erklärt gerade umgekehrt die Kategorien in Permanenz und sucht in sie gewaltsam einzuordnen, was gutwillig sich nicht fügt. Wörter für da, dort, oben, unten, innen, außen, auf, nieder, dann, dureli. mit haben örtliche, zeilliche oder instrumentale Hedeulung — an sich, weil das Wort selbst eben nichts anderes als örtliche, zeilliche, oder instrumentale Beziehung beinhaltet. Da, oben, unten sind iokaliv, dann temporal, mit instrumental, nicht ob ihrer wie immer gearteten Form, sondern wegen der Eigenbedeutung dieser Partikeln selbst, und es war zu untersuchen, ob nicht in Nachbildung ihrer Laulfnrm r «indero lokale, temporale, instrumentale Wörter geschaffen wurden und so a u s i h n e n eigene Formen für einen lA)kativ, Temporaiis, Instrumentalis entstanden. Die herrschende Grammatik aber geht vom fertigen Kasus und vom fertigen Nomen aus; sie sucht in Wörtern wie dann, da, prae, pro, zptv, a-o, s-t usw. nach einem womöglich nominalen Stamm und diskutiert darüber, ob die Endung ursprünglich Lokativ oder Akkusativ, Dativ oder Ablativ war und versperrt sich so den Weg der historischen Erklärung. Wörter für vorn, hinten, oben, unten wie zotv prim-ns. ehest (vgl. nebst) — erst, extra extremus bezeichnen durch ihre Eigcnbedeulung einen Rang: voran ist zuerst, hinten zuletzt. Darum entsteht in Nachbildung zu ihnen eine eigene Form für die Rangzahlwörter und für die Superlative: wie erst und letzt, so auch best und schlimmst, wie primus und supremus so auch maximus, mini' 27