Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 45.1928
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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tischen (Jlebr.) bedeutet z. R. gazal ••er raubte", gazöl „rauben", gözel „raubend", gazül „geraubt", gezel „Kaub", es scheint also,;ds ob die Vokale nur grammatische Formbedeutung hatten, die Wortbedeutung aber nur an dem ..Stamm" der Konsonanten g z 1 hafte. Ks ist aber von vornherein klar, daß es einen solchen ..Stamm", der nur aus Konsonanten bestanden liätte, in der lebenden Sprache niemals gegeben haben kann. Wir sind es. die aus den einzelnen lebenden Sprach rönnen das allen begrifflich und lautlich riemeinsame logisch abstrahieren, und das mag praktisch für die Beherrschung der Sprache von großem Nutzen sein; ebenso klar aber ist es, daß die herrschende semitische Grammatik, für die Stamm und Wurzeln das lim und Auf der Sprachbetrachtung sind, sich jede Möglichkeit eines historischen Ycrstfiinlnisses des Sprach Werdens selbst verrammelt. Man mache sich nur klar, daß derselbe „S t a m In begriff" sieh leicht auf deutsche Beispiele übertragen ließe, und mau wird die Sinnlosigkeit dieser Art Wissenschaft ganz erkennen. Wir sagen: sprechen, sprich, sprach, gesprochen, Spruch. Auch hier wechseln die Vokale mit der grammatischen Form, und wir könnten für die Wortbedeutung einen „Stamm" s p r c h abstrahieren. Man stelle sich nun voi, daß die Erscheinung des Ablauts wie sprechen, sprich, sprach, gesprochen, Spruch auf alle Zeitwörter übergegriffen hätte, — die lugisch orientierten Grammatiker würden alle sprachliche« Bildungen aus solchen Stämmen erklären, und nur, wie noch heute viele. Semilisteu, darüber disputieren, ob die ältesten Stämme nur zwei- oder auch drei- und vierkonsouanlig gewesen sind. Nicht minder unhistorisch ist aber auch die Vorstellung der Stämme-und Wurzeln auf indogermanischem Gebiet, wo sie nur etwas anders, aber nicht minder falsch erfolgt. Aus zwei oder nrehr Formen eines Wortes (wie etwa «itzoo; und \kvmvj) wird das - beiden gemeinsame als Stamm (;u>?v,ij, aus mehreren verwandt scheinenden Wörtern das Gemeinsame als Wurzel herausgehoben. Diese Wurzel, die an den Anfang der Wortgeschichle gestellt wird, ist in Wirklichkeit der Abschluß, eine Abstraktion im Gehirn der Grammatiker, und man begreift, daß dio Sprachforscher, deren Blick in dieser falschen Richtung festgebannt ist, den anderswoher führenden Weg der historischen Entwicklung nicht sehen können. Sucht man nach Wurzeln, so zugleich auch, nach einer Wurzel- oder Grundbedeutung. Auch diese muß darum von vornherein falsch sein, eine philosophierende Abstraktion mit nur 56