Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 45.1928
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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Das Problem der Entstehung der Sprache gilt immer noch als ungelöst, wenn nicht als unlösbar. Von den verschiedenem Theorien aus, die für den Anfang aller Sprachlaule konstruiert worden sind, der Theorie der Affektlaute, der Schallnachahmung usw. ist der Weg nicht zu erkennen, der zu unserer entwickelten Sprache führt, mit ihren festen Formen und Kategorien für die verschiedenen Formen und Kategorien des Seins und Denkens. Die Sprachwissenschaft sucht sich nun mit der Tatsache abzufinden, daß die Anfänge aller Sprachgeschichte der exakten Forschung sich zu entziehen scheinen. Sie glaubt, Wissenschaft bleiben zu können, wenn sie sich auf die Prüfung der gewordenen sprachlichen Gebilde beschränkt ohne Seitenblick auf deren in Dunkel gehülltes Werden. Gelingt ihr das? Kann es Sprachwissenschaft geben ohne eine feste Grundanschauung -über den Ursprung der Sprache, und entspricht die gegenwärtige Sprachforschung dieser Forderung? Die Antwort darauf kann nicht anders lauten als Nein. Die gegenwärtige Sprachforschung verzichtet freilich auf ein wissenschaftliches Urteil über die Sprachentstchung, sie fußt aber durchaus, teils bewußt, teils unbewußt, auf unwissenschaftlichen und zweifellos falschen Vorurteilen über den Ursprung der Worlgebilde. Und diese Vorurteile verzerren nicht nur das Bild der gewordenen Sprache, sie allein tragen vielmehr auch die Schuld daran, daß das Problem der Sprachentslehung bisher unlösbar zu sein schien. Die Sprachwissenschaft führt z. B. die Wörter auf Stämme und Wurzeln zurück. Die Begriffe von Stamm und Wurzel sind der semitischen Grammatik entlehnt. Aber eben am Semitischen läßt sich am deutlichsten erkennen, daß Stamm und Wurzel im wirklichen Werden der Sprache niemals existiert haben. Im Semi-