Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1927
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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bedeute wie das Opfer; denn es habe das Wohltun101). In der Zeit Hadrians erklärte Rabbi Jonatan, daß die Beschäftigung mit der Lehre soviel gelte als ein Opfer, daß sie das Opfer sei, das überall dargebracht werden könne. Ein Jahrhundert danach sagte der führende Lehrer, Jochanan, und ähnlich sein Genosse, Simon ben Lakisch, wer sich mit der Thora befasse, sei denen gleich zu erachten, die sich mit dem Opferdienst befaßt hätten, er sei einer von denen, „die dem Ewigen dienen, die im Hause des Ewigen stehen", und ein babylonischer Lehrer der Zeit hatte hinzugefügt, wer sich mit der Thora befasse, bedürfe der Opfer nicht. Aber allmählich wird der Ton ein anderer, schon Jochanan hatte ihn angegeben. Es wird jetzt der gerühmt, der sich mit den Vorschriften des Opferdienstes beschäftigt, und er allein wird als der gepriesen, der denen gleich gelte, welche einst die Opfer dargebracht haben10-). Aber dies alles ist spätere Romantik. Die Synagoge der Pharisäer hat den Tempel überwunden. Der Konflikt war jedoch nicht allein der mit ihm. Auch ein anderer trug sich im Pharisäertum aus, der zwischen der Gemeinde und dem Staate. Er kam nicht davon her, daß das Opfer der staatliche Kultus war und Gebet und Schriftvorlesung der Kultus der Gemeinde waren. Der Grund des Konflikts ist hier ein tieferer. Überall, wo eine Gemeinde mit ihrer Energie in den Staat hineingestellt ist, erfährt sie früher oder später einen Gegensatz zu ihm. Sie will ein idealer, unsichtbarer Staat sein und kehrt sich gegen den sichtbaren Staat mit seinen Mängeln und seiner Politik. In neuerer Zeit läßt die Geschichte der englischen Kongregationalisten und Presbyterianer dies deutlich sehen. Zunächst war dieser Gegensatz in Palästina nicht gegeben. Man wrar in einem Staate, aber war doch, trotz aller geschlossenen Gemeinschaft, kein Staat; man durfte sich nur als Gemeinde fühlen. Das persische Reich, dem man eingegliedert war, und ebenso dann später das ptolemäische, trat unmittelbar nur wrenig und selten in die Erscheinung. Dies änderte sich schon in der Seleucidenzeit, und es wurde grundsätzlich anders in der Hasmonäerepoche. Man hatte nun den eigenen Staat, den Staat, an dem man den persönlichen Anteil hatte und für den man eine Verantwortung trug. Der Gegensatz gegen die Priester konnte jetzt einen neuen Akzent erhalten, den des Gegensatzes gegen das Priesterregime: der Hohepriester war der Herrscher, die vornehmen Priestergeschlechter, die Sadducäerfamilien, waren meist der Kreis seines Vertrauens und der staatlichen Ämter. Der Konflikt mit 60